Verwundert über „Kahlschlag“
08.02.2012 - PFEDDERSHEIM
Von Roland Keth
WIESENBRÜNNCHEN IG-Pfrimm-Vorsitzender kritisiert Pflegeeinsatz im Unterholz / Stadt widerspricht
Das Naherholungsgebiet „Wiesenbrünnchen“ liegt am Westrand Pfeddersheims und gilt nicht nur bei Insidern als kleine, aber feine Naturoase. „Leider musste ich jetzt mit Verwunderung feststellen, dass das Unterholz entfernt wurde“, meldete sich Jürgen Schröhoff, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Pfeddersheimer Pfrimm, bei der WZ. Er kann den Sinn dieser Aktion nicht verstehen. „Das Unterholz bietet doch vielen Vögeln und dem Niederwild Schutz. Diese Tiere sind auf Gebüsch und Hecken angewiesen“, klagt der Pfeddersheimer, der mit seinen Vereinsleuten bestrebt sei, wild lebende Tiere an ihren Standorten zu halten und durch das Anbringen von Nisthilfen vielleicht sogar zu vermehren. „Aber leider wurde mittlerweile bei Amphibien, Vögeln oder Insekten ein Rückgang festgestellt“, hat Jürgen Schröhoff kein Verständnis für die jüngste Rodungsmaßnahme in dem Gebiet rund um den kleinen Weiher.
Dieter Rauh, zuständiger Abteilungsleiter für Grünflächen und Gewässer im Rathaus, wehrt sich gegen die Vorwürfe Schröhoffs. Da sei niemand wahllos mit Axt und Säge durch den Wald gegangen. „Es handelt sich um ganz normale Gehölzpflegemaßnahmen, wie wir dies schon seit Jahren tun“, erläutert Rauh. Um Kleintiere und Vögel zu schonen, nehme man sich nie den ganzen Wald vor, sondern immer nur Teilabschnitte. Natürlich könne man das „Wiesenbrünnchen“ auch sich selbst überlassen. „Aber dann bekommt man überhaupt keine sinnvolle Gehölzstruktur mehr rein, sondern einen dichten Filz, in dem sich die Pflanzen gegenseitig erdrücken. Und einen solchen Urwald wollen wir hier an dieser Stelle nicht“, widerspricht Rauh Jürgen Schröhoff ausdrücklich.
Die „Waldpfleger“ im Wiesenbrünnchen haben zuletzt Strauchgruppen „auf Stock gesetzt und verjüngt“, erläutert der Abteilungsleiter die jüngsten Aktionen. Dabei werden die zu alt gewordenen Sträucher, die zum Teil wild übereinander lagen, auf etwa 20 Zentimeter heruntergeschnitten, damit sie anschließend wieder austreiben können. „Außerdem nehmen wir zu dicht stehende Stangen heraus.“
Bäume sollen dichte Krone entwickeln können
Auch dies sei notwendig, damit sich die Bäume, die stehenbleiben, bei mehr Freiraum besser entfalten und eine schöne, dichte Krone entwickeln können. „Das hätten wir eigentlich schon früher tun müssen“, räumt Dieter Rauh ein. Im Übrigen sei das Wiesenbrünnchen ein ganz normaler kleiner Forst, der in der Vergangenheit bewusst mit dicht gesetzten Baumpflanzen angelegt worden sei. „Und das ist ebenfalls ein ganz normaler Vorgang, dass man dann später ausdünnt. Und auch hier tun dies niemals auf der gesamten Fläche, sondern abschnittsweise und über Jahre verteilt“, versichert Rauh. Beim Wiesenbrünnchen komme hinzu, dass die Stadt für Verkehrssicherheit sorgen und Fußgänger beispielsweise vor Astbruch schützen muss.
Was Rauh nicht verstehen kann, ist, dass Jürgen Schröhoff nicht den direkten Weg zu ihm gesucht habe. Immerhin sei der Pfeddersheimer offiziell von der Stadt als Naturschutzbeauftragter für Pfeddersheim ernannt worden. „Herr Schröhoff kennt also die Wege. Ich hätte ihm gerne alles erläutert.“
