Experiment nach Restaurantbesuch
19.10.2011 - HERRNSHEIM
Von Markus Wolsiffer
ALVARINHO Herrnsheimer Volker Schmitt baut die in Portugal und Spanien beliebte Traube an
Riesling, Portugieser oder Grauburgunder kennt jeder Weinliebhaber. Allerdings werden im Wonnegau und den Wormser Stadtteilen auch viele kaum bekannte und seltene Rebsorten angebaut. Die WZ macht sich in einer Serie auf die Suche nach diesen Raritäten. Heute: bei Volker Schmitt in Herrnsheim.
„Als junger Winzer experimentiere ich gerne und vor etwa drei Jahren kam ich durch einen Restaurantbesuch das erste Mal mit dem Alvarinho in Kontakt“, erinnert sich Volker Schmitt, der sich sogleich im Internet über die weiße Rebsorte informierte. Für den Herrnsheimer Jungwinzer war schnell klar: Der Alvarinho hat es ihm angetan. Er bestellte also seine Setzlinge über Italien, stellte bei der Landwirtschaftskammer einen Antrag für einen Versuchsanbau und konnte die in Spanien und Portugal beliebte Rebsorte schließlich 2008 pflanzen. Aber eben nur im Rahmen seines Versuchsanbaus, der gerade 1 500 Stock erlaubt, weil die Rebsorte in Deutschland generell nicht zugelassen ist. Und das kann dauern, wenn die Nachfrage überhaupt mal so groß sein sollte, dass ein großflächiger Anbau infrage käme, erklärt Schmitt.
Seinen Alvarinho, auch Albariño genannt, beschreibt der Winzer als gesund, kleinbeerig und deshalb fäulnisunempfindlich. „Viele finden, dass er eine sehr angenehme Säure hat. Das kann ich nur bestätigen. Er liegt irgendwo zwischen Riesling und Sauvignon Blanc, ist aber kaum vergleichbar“, meint der 33-Jährige.
Legende: Von Mönchen nach Galicien gebracht
Der Anbau des Alvarinho war indes nicht ohne Risiko. Es gab keine Erfahrungswerte, ob die Rebsorte, die übersetzt etwa „Die kleine Weiße vom Rhein“ heißt, in Rheinhessen überhaupt reifen wird. Tat sie aber, und der feine Tropfen scheint den Wormser Geschmack getroffen zu haben. „Meines Wissens bin ich der einzige Winzer in Deutschland, der Alvarinho anbaut, und dass der aktuell bei mir ausverkauft ist, freut mich natürlich“, gibt Schmitt gerne zu. Doch der 2011er wird bald folgen...
Auf den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden werde im Weinberg verzichtet, einzig die klassischen Pheromonfallen sollen vor Schädlingen schützen. Und die Handlese sei, so betont Volker Schmitt, bei solch seltenen Sorten natürlich Pflicht.
Lange Zeit wurde übrigens angenommen, dass die weiße Rebsorte mit dem Riesling verwandt ist - neue Untersuchungen legen aber eine Verwandtschaft zu den Sorten Sauvignon Blanc, Pinot Blanc oder dem Petit Manseng nahe. „Zwar kommt die Rebsorte aus Spanien und Portugal, der Legende nach wurde sie aber von Mönchen aus Deutschland oder Frankreich über den Jakobsweg nach Galicien gebracht. Insofern liegt sie uns vielleicht näher als gedacht“, erzählt Schmitt, der auch zu den vier Mitgliedern der „Vinovation Worms“, einer Vereinigung junger Winzer, gehört.
