Gunter Schulz rettet die TSG 1848 Heppenheim
06.01.2012 - HEPPENHEIM
Von Ulrike Schäfer
SPORT Gunter Schulz rettet mit seinem Team den Heppenheimer Verein
In Heppenheim hat 2011 besonders ein Mann von sich reden gemacht: Gunter Schulz. Am 20. Mai wurde er an der Spitze eines engagierten Teams zum neuen Vorsitzenden der TSG Heppenheim 1848 gewählt mit dem Ziel, den Traditionsverein aus der Krise zu führen. Denn die TSG schwächelt seit Jahren.
„Aus Verbundenheit zum Verein“ hat sich Gunter Schulz dieser nicht unerheblichen Herausforderung gestellt. Schon als dreijähriger Pimpf turnte er bei Erwin Ortstadt, marschierte im Musikzug als Trompeter mit. Er spielte Tischtennis und Prellball: Seine Mannschaft, darunter auch Karl-Otto Fischer, war sogar einmal Deutscher Jugendmeister. Und natürlich war er Fußballer. „Dabei bin ich auch hängen geblieben“, meint er schmunzelnd. Der Jahrgang 61/62 war überaus erfolgreich: „Wir wurden A-Jugend-Meister und Pokalsieger, davon hat die TSG lange gezehrt.“
Als er 30 Jahre alt war, hängte er dann das Trikot vorübergehend an den Nagel. „Im Sport gibt es schnell mal Verletzungen, man fällt im Beruf aus, das konnte ich mir als frisch gebackener Gerichtsvollzieher nicht erlauben“, erzählt Schulz. Auch die Gründung einer Familie trug dazu bei, dass er andere Prioritäten setzte. Doch als Sohn Sebastian vier Jahre alt war, änderte sich das wieder. „Für ihn gab’s nur den Ball.“ Weil in Heppenheim mangels Masse keine Bambini-Mannschaft existierte, brachte Gunter Schulz seinen Mini-Kicker nach Horchheim und trainierte dann dort den hoffnungsvollen Nachwuchs, war Auswahltrainer am DFB-Stützpunkt im BIZ, wo begabte Jungfußballer in der E- und D-Jugend gefördert werden.
Bei der TSG war er all die Jahre Mitglied geblieben, hatte aber kaum noch Berührungspunkte. Immerhin kickt der 19-jährige Sebastian mittlerweile bei der TSG Pfeddersheim, nachdem er in der letzten Saison mit den A-Junioren den Regionalliga-Aufstieg gefeiert hatte.
In einem Jahr 100 neue Mitglieder
Bei der Mitgliederversammlung zu Beginn des vergangenen Jahres sah es dann so aus, als gäbe es keine Zukunft mehr für die TSG 1848. Der Verein hatte keine Mannschaft angemeldet, bis aufs Kinderturnen gab es keine Abteilung mehr, die Führungsriege hatte aus Altersgründen ihren Rücktritt angekündigt, und es fand sich kein neuer Vorstand. Ein Dorf ohne Fußballverein war für Gunter Schulz jedoch undenkbar. „Vereine sind die Seele jeder Ortschaft. Und dazu gehört zweifelsohne auch ein Sportverein“, wurde er in der WZ zitiert.
Gemeinsam mit Ortsvorsteher Karl-Otto Fischer organisierte Schulz eine Podiumsdiskussion um festzustellen, „wie die Leute ticken“. Danach führte er viele intensive Gespräche und konnte sechs Wochen später bei der Generalversammlung einen einsatzbereiten Vorstand präsentieren.
Seither hat sich schon eine ganze Menge getan. Der Verein ist von 200 auf 300 Mitglieder angewachsen, es gibt einen Lauftreff, Volleyball für Mädchen, Tanzen und Turnen für die Kleinen, Seniorensport für die Männer und seit Mai auch wieder eine Erste Mannschaft. Gunter Schulz trainiert sie selbst: „Es ist eine ausbaufähige Truppe“, sagt er und grinst ein bisschen schief. „Es sind aber zum Teil Neulinge, die das Zusammenspiel erst noch lernen müssen; deshalb spielen sie derzeit noch außer Konkurrenz.“ Dem Übungsleiter ist es wichtig, dass möglichst viele Heppenheimer darunter sind, die sich auch an den Verein gebunden fühlen. Außerdem soll die TSG auch im gesellschaftlichen Leben wieder eine Rolle spielen.
Zwar hat der Vorstand noch mit einigen Problemen zu kämpfen, das Vereinsheim ist marode, die Küche hatte einen Wasserschaden, selbst die Flutlichtanlage war defekt, sein Weg wird also kein leichter sein, doch darüber denkt Gunter Schulz derzeit nicht nach. „Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, zieh’ ich es durch“, sagt er. Gut für die Heppenheimer!
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