Von Roland Keth
Arbeitsgruppe zimmert an neuem Fundament für Jazz-Festival / Terminkollision vermeiden
Nach dem finanziellen Einbruch beim diesjährigen Jazz-Festival versucht eine Arbeitsgruppe unter Leitung von OB Michael Kissel die seit 16 Jahre existierende Veranstaltung auf ein neues Fundament zu stellen. Die Diskussion hat begonnen, konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Diese "Task-Force-Gruppe", der noch Uli Mieland (Kulturbüro der Stadt), Stefan Traub (künstlerischer Leiter), Simone Schofer (Öffentlichkeitsarbeit), Christoph Noeller (Sponsoren) sowie das "Jazz-and-Joy-Team" angehören, hat bisher einmal getagt. "Wir wollen das Jazz-Festival auf jeden Fall erhalten, müssen aber versuchen, es qualitativ und finanziell im Lot zu behalten", umreißt Uli Mieland die Aufgabenstellung. Man habe zunächst einmal Ursachenforschung betrieben, Problemfelder benannt. "Jetzt muss sich jeder im Team erst einmal selbst Gedanken machen." Unstrittig sei, dass es keine Qualitätsverschlechterung geben soll, die "Flaniermeile" von Andreasstift bis Dom wieder hergestellt werden muss und ausgesuchte Top-Acts unerlässlich sind. "Wegen der Nibelungen-Festspiele werden wir immer mal wieder einen Platz verlieren", glaubt Uli Mieland. Die Festspiele seien nun mal die Nummer eins. "Aber wir müssen versuchen, Terminkollisionen zu vermeiden, wobei das gar nicht so einfach ist." Sommerferien und Jahreszeit engen ziemlich ein. "Für das Jazz-Festival brauche ich warme Sommerabende. Deshalb ist der Mai ungeeignet." Ob der Marktplatz Veranstaltungsort bleibt, sei offen. "Im Grunde stimmt dort die Atmosphäre nur bei Konzerten mit vielen Zuschauern, also beim Top-Act", urteilt Stefan Traub. Andere Musikrichtungen aufzunehmen sei schwierig. "Denn wir sind schon sehr breit aufgestellt. Wenn sich etwas anbietet, sind und bleiben wir offen für neue Farbtupfer, aber eine reine Country-Bühne beispielsweise funktioniert nicht", ist sich Traub sicher. Der Gastronomie komme untergeordnete Bedeutung zu. "Das spielt höchstens dann eine größere Rolle, wenn wir eine themenbezogene Bühne etwa mit Salsa-Bands hätten. Dann würde sich eine dazu passende Gastronomie anbieten", kann sich Uli Mieland vorstellen. Natürlich werde man versuchen, das Profil von "Jazz and Joy" zu schärfen, die Veranstaltung noch unverwechselbarer zu machen. Aber: "Idstein, Heidelberg oder auch Bingen, alle hatten sie dieses Jahr Probleme. Zwischen 60000 und 800000 Euro ist alles auf dem Markt, können wir alles beschaffen. Unser Budget ist allerdings seit fünf Jahren festgeschrieben, über sechsstellige Beträge brauchen wir also erst gar nicht zu reden", verweist Uli Mieland auf klare Grenzen. Selbstverständlich bemühe man sich ständig um Geldgeber. "Aber allein die Berichte in der WZ haben bei mir schon wieder die Telefone klingeln lassen. Sponsoren reagieren ungeheuer nervös..." Unter zeitlichem Druck sieht sich die "Task Force" (noch) nicht. "Bis Frühjahr haben wir Zeit", meint Uli Mieland, "bis dahin muss unser Konzept stehen." Interview
