Von Roland Keth
Konstantin Eljanow will trotz seiner Behinderungen bei EM starten
Dass Menschen mit Behinderung mitunter Großartiges zu leisten im Stande sind, das weiß man nicht erst seit den spektakulären Auftritten des contergan-geschädigten Opern-Weltstars Thomas Quasthoff. Konstantin Eljanow gehört ebenfalls zu dieser Art Menschen: Er hat unter vielen körperlichen Gebrechen und Krankheiten zu leiden. Geistig ist er jedoch topfit. Und er hat eine Marotte, ein Spiel zur Meisterschaft weiterentwickelt. Konstantin Eljanow spielt Dame - mit Leidenschaft. "Das ist mein Leben", beteuert der 30-Jährige, der vor elf Jahren als Kontingent-Flüchtling aus der Ukraine nach Deutschland kam. Wegen seiner vielen Leiden kann der 30-Jährige nicht arbeiten, muss er mit der schmalen Grundsicherung, die ihm die Stadt gewährt, auskommen. Geht er selbst mal einkaufen oder versucht er, etwas im Haushalt zu erledigen, ist er rasch erschöpft und muss sich hinlegen. Oder sich von seiner Mutter beziehungsweise einem Lebenshilfe-Mitarbeiter helfen lassen. Das Damespielen dagegen belebt und bewegt ihn, hält ihn auf Trab. "Bei uns zu Hause in der Ukraine spielen viele Menschen Schach oder Dame. Mein Vater ist Schachtrainer, mein Stiefbruder Schach-Großmeister", erzählt Konstantin Eljanow. Er spricht gut deutsch, man kann ihn jedoch nur mit Mühe verstehen. Wenn sich Konstantin Eljanow an sein geliebtes Brett setzt, dann spielt er keineswegs Dame, wie wir Normalbürger dies kennen. Dame-"Profis" bewegen 20 Steine auf 100 Feldern, das "normale" Familienspiel weist hingegen nur 64 Felder auf, worauf zwölf Steine gerückt werden. Der gebürtige Ukrainer, der nächste Woche endgültig als Deutscher eingebürgert wird, spielt mittlerweile so erfolgreich, dass er regelmäßig an Turnieren und Meisterschaften teilnimmt. Sein bislang größter Erfolg: der Gewinn der deutschen Meisterschaft 1999 in Augustusburg. Dieses Jahr bei den Titelkämpfen in Saarbrücken ist er allerdings nur Achter geworden. "Aber da war ich ein bisschen krank. Der Winter ist nicht meine Zeit", entschuldigt Konstantin Eljanow dieses Malheur und bleibt ehrgeizig. "Ich war letztes Jahr bei der Europameisterschaft in Prag und bin dort Fünfzehnter geworden. Anfang September findet die EM 2006 in Slowenien statt, und dort will ich unbedingt starten. Das ist mein größter Wunsch." Sein größtes Problem allerdings ist, dass er kein Geld hat, um Reise, Unterkunft und Startgebühr zu bezahlen. Hinzu kommt, dass ihn seine Mutter begleiten muss, denn alleine kommt er nicht zurecht. Also verdoppeln sich die Kosten. Jetzt hofft Konstantin Eljanow natürlich sehnlichst, dass ihm jemand unter die Arme greift. Ein zweiter Herzenswunsch beseelt in ebenso: "Ich möchte in Worms eine Dame-Spielgruppe gründen." Wen ebenfalls die Spielleidenschaft gepackt hat, hier seine E-Mail-Adresse: eljanow@t-online.de.
