Von Susanne Müller und Katja Wojtynowski
Auch Wormser Schülern kennen brutale Szenen und Pornos auf Mobiltelefonen
Gewalt und Pornografie auf dem Handy: "Ich habe schon Gewaltszenen auf dem Mobiltelefon gesehen", gibt ein 19-Jähriger zu, auf dem BIZ-Hof, und Mitschüler nicken. Auch in Worms werden derlei Daten heruntergeladen und getauscht, Pädagogen blieb diese Szene bislang verborgen.
Der 19-jährige Berufsschüler möchte anonym bleiben. Sowohl im Bekanntenkreis als auch auf dem BIZ-Schulgelände seien ihm solche Videos gezeigt worden. Er bestätigt: "Es war eine mit dem Mobiltelefon aufgenommene Schlägerei", berichtet er. Was genau ihm da auf dem Pausenhof gezeigt wurde, ist ihm nicht zu entlocken. Die Szene habe aber echt ausgesehen, sagt er. Andere Jugendliche schütteln den Kopf, der 17-jährige Daniel Feldmann meint: Ich habe hier so etwas noch nicht gesehen." Daniel, der das Rudi-Stephan-Gymnasium am Platz besucht, findet so etwas einfach nur "krank". Er kann nicht verstehen, warum es Schüler gibt, die Gewaltszenen und Pornovideos auf dem Handy cool finden. Daniel Friederich, 18 Jahre, kann den brutalen Videosequenzen, die auf Schulhöfen wie neueste Witze ausgetauscht werden, ebenfalls nichts abgewinnen. Gesehen hat er solche Handy-Videos bisher nur in einer Reportage im Fernsehen. Ein Handy-Verbot an Schulen, wie es derzeit von der Politik diskutiert wird, halten beide Gymnasiasten für den falschen Weg. "Ich habe von derlei Videosequenzen oder anderem Datenmaterial auf Handy an unserer Schule noch nichts gehört", erklärte der Leiter der BBS Wirtschaft, Norbert Esselen, auf WZ-Nachfrage. Er könne ja schlecht zu Schülern gehen und fragen, was sie auf ihren Handys gespeichert hätten. Die Hausordnung verbiete jedoch eindeutig Gewaltverherrlichung, Aggression oder Pornografisches auf dem Schulgelände, "sollte ich feststellen, das jemand dagegen verstößt, werde ich alle Möglichkeiten der Schulordnung zur Sanktion nutzen". Dies könne gehen von einem Verweis bis zum Schulausschluss. Sein Kollege von der Karl-Hofmann-Schule, Norbert Rös, pflichtete Esselen bei. Das Problem sei "existent", schwierig aber sei, davon Kenntnis zu erhalten. "Im gegebenen Fall greifen wir aber entschieden durch", sagte auch er - wies aber auch darauf hin, dass es seiner Einschätzung nach nicht die Mehrheit der Schüler sei, die sich mit derlei Dingen befasse. Die überwiegende Zahl sei suchend, wünsche sich Berufsorientierung und eine Zukunftsperspektive: "Die haben andere Sorgen", so Rös. "Das ist bislang bei uns kein Thema", erklärte Dr. Günter Serfas, Leiter des Gauß-Gymnasiums. Er könne den geschilderten Sachverhalt für seine Schule jedoch nicht gänzlich ausschließen, "aber jeder, der sich so verhält, verlässt die Schule", sagte er deutlich. Am "Gauß" werde darauf geachtet, das Thema zu diskutieren.
