Sonntag, 12. Februar 2012 05:36 Uhr
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Wormser Zeitung

 

Eine Spritze und viel guter Zuspruch

05.04.2007

Von Susanne Müller

Dr. Heike Axmacher ist Wormser "Zoo-Tierärztin" / Regelmäßige Sprechstunde im Tiergarten

Tierärzte in Zoos haben Hochkonjunktur im TV. Auch in Worms gibt es einen "Viehdoktor", der das Wohl der tierischen Bewohner im Auge hat und im Tiergarten regelmäßig Visite macht: Dr. Heike Axmacher.

Knut. Und nochmals Knut. Und auch täglich Knut. Vom knuffigen Eisbär-Mini können die meisten nicht genug bekommen, hoch lebe der Du-du-Faktor, die Menschheit ist offenbar in Knuddelstimmung. Das Unterhaltungsfernsehen weiß, was es zu senden hat in harten Zeiten, schon bevor Knut-tige Zeiten angebrochen waren, hieß und heißt es "Elefant, Tiger & Co.", "Ruhrpottschnauzen" oder "Tierärztin Dr. Mertens" - das Fernsehen beglückt seine Zuschauer mit einer wahren Flut an paradiesischen Bildern von knuffigen Tierjungen, verletzten Großkatzen, kränkelnden Elefanten und vor allem: engagierten Zoo-Tierärzten - die zumeist weiblich und recht blond sind. Da lacht Dr. Heike Axmacher - weiblich und mit langem Zopf - herzlich. Die Wormser Tierärztin kennt Vierbeiner aller Sparten in- und auch auswendig, sie ist die Fachfrau für alles, was da kreucht und fleucht im Wormser Tiergarten. "Ja, Zoo-Sendungen sind in derzeit", weiß sie, packt ihren Koffer und marschiert in Richtung Bauernhof. Denn dort gibt´s zu tun, "Victor" ist frisch beschlagen worden. Und da muss bei dem Ardenner-Hengst nachgeschaut werden, ob alles in Ordnung ist. Worms ist kleiner als Leipzig, Berlin oder Frankfurt mit ihren großen Zoos, und eine eigene Zoo-TV-Serie wird´s da wohl nicht geben, aber dennoch muss auch hier eine kontinuierliche tierärztliche Versorgung sichergestellt sein. Immerhin leben auf dem Areal im Naherholungsgebiet 353 Tiere - zwölf Reptilien-Arten mit 38, 41 Vogel-Arten mit 167 und 21 Säuger-Arten mit 148 Tieren. Der kleinste Vertreter einer Spezies ist ein Barsch, der sich im Bassin im Tropenhaus tummelt, die dicksten Brummer sind die Pfalz-Ardenner im Bauernhof. Und sie alle können zählen auf Dr. Axmacher, die die Zoo-Tiere nur "nebenbei", neben ihrer Tätigkeit als praktische Tierärztin, betreut - aber das mit viel Elan und auch nachts in Notfallen. "Geh doch mal da weg", sagt sie energisch zu "Victor", der seinen mehr als dicken Popo quer stellt, aber willig seinen Hinterlauf anhebt, damit die Tierärztin unters Hufeisen schauen kann. Es ist alles in Ordnung bei dem mächtigen Hengst, es gibt noch fachlichen Rat für die Tierpfleger und weiter geht´s zu den Schweinen. "Hallo Kuddel", ruft die 46-Jährige, und der, der so heißt, kommt angelaufen und steckt seinen dicken Rüssel durchs Gatter. Kuddel ist ein Bentheimer Schweine-Eber, ein getupfter Brocken, den die Tierärztin eigenhändig aus Norddeutschland nach Worms geholt hat: "Ja, ich springe halt auch einmal ein, wenn´s hier klemmt", sagt sie, streichelt den tierischen Teenie, den sie als kleines Schweinchen einst beim Züchter der bedrohten Haustierrasse abholte. Bei den Zebus, einer asiatischen Rinderart, steht die Entnahme von Blutproben an. "Hier wird regelmäßig geprüft. ob sie die Blauzungenkrankheit haben", so Dr. Axmacher - heute ist "Michi" dran, eine junge Kuh. Auch zu ihr hat die Medizinerin eine enge Beziehung. Das Tier ist mit der Flasche aufgezogen und war als Jungtier schon einmal in ihrer Leiselheimer Praxis auf dem OP-Tisch: "Sie hatte sich den Unterkiefer gebrochen nach einem Sturz". Diesmal nützt keine Gegenwehr, schnell und präzise wird die Injektionsnadel gesetzt, das Blut fließt ins Röhrchen, fertig - die Zebu-Mama tröstet den Nachwuchs. Trost? Den braucht "Chico", der wollige Thüringer Waldesel, nicht. Er kommt neugierig an den Zaun, steckt seine Nase in die Papiere, die Dr. Axmacher für ihn ausfüllen muss. Der Neuzugang im Esel-Weiberhaushalt des Tiergartens hat noch keine Equidenpass, ein Papier, das jedes Pferd quasi als persönlichen Ausweis haben muss. Da wird seine Fellzeichung vermerkt, wie lang seine Ohren sind und wie hoch seine Beine. Chico zeigt sich und seine drei "Weiber" schauen neugierig zu - und da kommt das dicke Ende. Eine Impfung gegen Tetanus steht noch an, auch diesmal geht´s schnell und schmerzlos - Chico kann sich mit seinen Mädels trollen auf seine Koppel. Das war´s für diesmal. "Wir haben regelmäßig Kontakt", schildert der stellvertretende Tiergartenleiter Dieter Wagner die Zusammenarbeit mit Dr. Axmacher. An jedem Dienstag ist Sprechstunde, dann werden Routine-Untersuchungen oder regelmäßige Behandlungen wie etwa Impfungen durchgeführt. "Und Notfälle werden natürlich sofort behandelt - auch wenn es mitten in der Nacht ist", sagt Wagner, der nichts auf seine "Teilzeit-Tierärztin" kommen lässt. Im Gegenteil. Tierärzte, die eine eigen Praxis hätten, seien viel erfahrener, hätten mehr Routine als Kollegen, die nur in einem Zoo tätig sind, ist er sich sicher - und er wird es wissen. Denn er arbeitete zuvor im Zoo Gelsenkirchen, einem weit größeren Tierpark. Denn diese Tierärzte müssten täglich vielmehr Entscheidungen treffen, sich täglich vielfach in Tiere einfühlen: "Ich gipse sicher häufiger als ein Kollege im Zoo", so Dr. Axmacher - die aber auch erklärt, dass sie auch schon mal bei Kollegen Rat einholt, wenn eine Behandlung exotischer Tiere ansteht. Das Exotischste in Worms sind sicher die Rhesus-Äffchen oder auch die Brillenkaimane, die regungslos in ihrem Becken dümpeln: "Auch die waren schon mal in Behandlung, ich habe sie geröntgt, weil sie nichts mehr gefressen haben", so Dr. Axmacher - und das offenbar fachgerecht. Denn auf die Frage, ob schon mal was passiert sei, zeigt sie einfach ihre Hände. Und da sind noch alle Finger dran ...


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