Freitag, 10. September 2010 13:39 Uhr
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Wormser Zeitung

Worms 

Kultiges vom Medizinmann

06.11.2007

Von Philipp Pöhlert-Brackrock

"Guru Guru" gastiert im Rahmen von "Real Stars" erstmals in Worms

Die Kultband Guru Guru, seit fast 40 Jahren musikalisch aktiv, gastierte im Rahmen der Konzertreihe "Real Stars" von KroneConcerts im Café Schmitz. Damit trat eine deutsche Rock-Band auf, die heute als Klassiker des so genannten Psychedelic World Beat gilt und es noch immer faustdick hinter den Ohren hat.

Nach München, Berlin, London und Tokio gastierte "Guru Guru" zum ersten Mal in seiner fast 40-jährigen Bandgeschichte in Worms. Der ortsansässige Musiker Michael Koch hatte mit seinem "Chapman-Stick" die schwierige Aufgabe übernommen, das Publikum bis zum Beginn des Live-Acts zu bändigen. Zahlreiche begeisterte Fans brachten Bewegung ins Café Schmitz. "Ungatschinga-Ungatschinga" scatted Schlagzeuger und Bandgründer Mani Neumeier mit Saxofonist Roland Schaeffer, der wiederum märchenhaft-orientalisch anmutende, wunderbar einfache Soli auf einer Art indischer Oboe erklingen lässt. Wenn Schlangenbeschwörer, Entenpfeifenspieler, Galeerentrommler und Medizinmann Mani zum "Pow Wow" lädt, bleiben stilistische Schubladen einfach leer. "Jungle Man" ist "Loverman" und "der Rasta is wie mia - der trinkt a Bier", textet er. 1967 machte der Jazzer Neumeier im Duo mit Miles Davis und Drummer Philly Jo Jones bei den Berliner Jazztagen Furore. Ein Jahr später sprengte er - inspiriert durch Jimi Hendrix -  mit der neu gegründeten Band "Guru Guru" ein Jazzfestival in Heidelberg. Jazz oder Rock? Egal - die Band ist da, wo der Rhythmus ist. Solide und angenehm unaufdringlich unterstützt von Bassist Peter Kühmstedt, treibt ein verschmitzt lachender Lead-Drummer die Band an. Eigenwillig und mit Erfolg den eigenen Sound suchend, schichtet Gitarrist Hans Reffert bläsermäßige Soli aufeinander oder erzeugt sphärische Klänge. Sein Intro zu "Jet Lag" erfüllt das Auditorium mit neuem Leben. Mit seiner Weissenborn-Gitarre sowie als Sänger lässt er keinen Zweifel daran, wo die Wurzeln des Rock´n´Roll liegen: in Country-Musik und Blues. Mit einem exzessiven Schlagzeugsolo auf dem Drum-Set und auf Blechtellern, die er aus einem Sack auf die Bühne befördert hat, versucht Mani Neumeier schließlich, gegen den Widerstandsapplaus des Publikums das Konzert zu beenden. Es nützt nichts. Der Elektrolurch in seiner bunt leuchtenden Kautschukmaskerade muss kommen und seine seit mehr als 30 Jahren rhetorisch gestellte Frage wiederholen: "Warum macht ihr eigentlich Musik?". Aber Mani Neumeier wäre nicht Mani Neumeier, würde er nicht eine Frage an sein mit ihm alt gewordenes Publikum hinzufügen: "Was macht ihr eigentlich, wenn ihr mal älter seid?"


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