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Wormser Zeitung

 

Begehrliche Blicke aufs Haus zur Sonne

27.01.2009

Von Susanne Müller

Jüdisches Museum im Raschi-Haus kämpft mit Platzmangel / Neue Serie startet

Worms blickt auf eine lange Geschichte zurück, die in den Museen der Stadt erschlossen werden kann. Wie steht es mit den Kultureinrichtungen? Wie ziehen sie Bilanz, welche Wünsche und Projekte haben sie für die Zukunft? Heute ist das Jüdische Museum im Raschi-Haus im Fokus.

Das Jüdische Museum ist das einzige seiner Art in Rheinland-Pfalz, es dokumentiert die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Worms. Versucht wird, mit Modellen, Urkunden, Plänen, Kultobjekten und Fotografien, die einen örtlichen authentischen Bezug haben, die Geschichte der jüdischen Gemeinde, die jüdische Religion und den Alltag jüdischer Mitbürger zu vermitteln. Eng ist die Verbindung zum Stadtarchiv, das zahlreiche Dokumente bereithält - in unmittelbarer Nähe liegen Synagoge, Mikwe und das Judenviertel, zu Fuß erreichbar ist der "Heilige Sand", der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas.

Museums-Blick

Das Raschihaus steht an der Stelle, von der man annimmt, dass sich hier das Lehrhaus befunden hat, in dem der jüdische Gelehrte Raschi um 1060 studierte. Seit 1982 beherbergt das Gebäude das Museum, "platzmäßig sind wir heute hier sehr stark eingeschränkt", deutete der Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Dr. Gerold Bönnen, ein Manko an. Denn das Judaica-Museum ist in den Räumen des Erd- und des Kellergeschosses eingerichtet, in den Obergeschossen befindet sich das Stadtarchiv. Er hoffe, so Bönnen, dass sich "irgendwann" Erweiterungsmöglichkeiten im benachbarten Haus zur Sonne ermöglichen ließen: Hier wären, dann, so der Instituts-Leiter, Wechselausstellungen und auch Veranstaltungen möglich. Und im "Haupthaus" könnte dann die Dauerausstellung erweitert werden.

Mit den Besucherzahlen ist Bönnen zufrieden: "Wir haben im vergangenen Jahr wieder die 11 000-er Marke überschritten, somit haben wir die Zahl der Vorjahre halten können - was in Zeiten wegbrechenden Interesses an Museumsbesuchen ja auch schon etwas ist."

In die Synagoge kamen im Vorjahr 26 000 Besucher. Bislang wird das Museum rein kommunal betrieben - Bönnen wünschte sich, "dass sich das Land oder auch weitere Institutionen stärker einbringen, auch im Hinblick darauf, dass angestrebt wird, dass die Schum-Städte zu Unesco-Welterbestätten werden".

Für das laufende Jahr sind mehrere Sonder-Ausstellungen geplant. So ab dem 10.Februar eine Schau über das Schicksal der Juden in den Altrheindörfern. Ab dem 26. März werden die Ergebnisse aktueller Bauforschung mit Wormser Schwerpunkt vorgestellt, ab 17. Mai sind Werke des Künstlers Amos Yaskil aus Tiberias zu sehen.

Und vielleicht auch bald Videoaufnahmen jüdischer Zeitzeugen aus Worms. Der Hollywood-Regisseur und Filmproduzent Steven Spielberg hielt in den 90er Jahren Aussagen Holocaustüberlebender filmisch fest, er führte überall auf der Welt Videointerviews mit diesen Zeitzeugen. Auf neun Videos sprechen Wormser über ihr Leben, Hinweise hierauf hätten Trierer Museumskollegen gegeben, so Bönnen.

Geprüft werden müsse nun, wie und unter welchen Bedingungen diese Dokumente nach Worms kommen könnten. "Ich denke, sie wären gut bei uns aufgehoben", so Dr. Gerold Bönnen, zu klären seien nun aber zunächst finanzielle, technische und auch Rechtsfragen.

Auf dem Speicher der Synagoge liegen sie bis zur Ausstellung am 26. März: Die historischen Mauerreste, die Dr. Irene Spille von der Unteren Denkmalbehörde zeigt; die Steine wurden bei der Bauforschung in Synagoge und Mikwe gefunden. Foto: Niepötter / mp


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