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Wormser Zeitung

 

Naturstube statt Luxusbau

22.04.2008

Von Susanne Müller

Füchsin hat Tiergarten-Kinderzimmer selbst gebuddelt

Der Tiergarten ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und längst ein bei Jung und Alt beliebtes Ausflugsziel. Vieles dort passiert jedoch im Verborgenen - deshalb blicken wir in unserer neuen Serie hinter die Kulissen des tierischen Alltags. 375 Vierbeiner, Flattermänner, Beschuppte und zu den Insekten Gehörende leben im Tiergarten, ein tierisch buntes Volk tummelt sich in Volieren und in Freigehegen - seit Freitagnacht sind es ein paar mehr. Denn da hat Sandy Nachwuchs bekommen, ganz heimlich hat sie ihre Jungen zur Welt gebracht, in einer Höhle, die sie selbst für ihre Kinder gegraben hatte: Sandy ist eine Fuchs-Mama, die mit Harry, ihrem Rotfuchs-Mann, vor eiTierisch gut nem Jahr in Worms ihr Gehege bezogen hatte. Und das ist eigentlich luxuriös ausgestattet. Es gibt einen schönen Berg zum Klettern, viele Spiel- und Versteckmöglichkeiten und sogar eine fix-und-fertige Wurfhöhle. Aber wie´s so geht: Auch eine Fuchs-Mama hat ihren eigenen Kopf und sich lieber selbst eine natürliche Kinderstube gebuddelt anstatt "Schöner Wohnen", wie es sich die Menschen für Tiere vorstellen, zu nutzen. "Wie viele Füchslein es sind, wissen wird noch nicht", dämpfte stellvertretender Tiergartenleiter Dieter Wagner die Erwartungen der Tierfreunde. Erst in einigen Wochen wird die Mama ihren Nachwuchs der Öffentlichkeit vorstellen. Bis dahin säugt und pflegt sie die Babys in der von außen nicht einsehbaren Höhle. Am Vormittag nach der Geburt war die junge Füchsin noch sichtlich erschöpft. Um sie aufzupäppeln, gab´s von Tierpfleger Lars Heymann neben beruhigenden Worten leckere Eintagsküken, die die frisch gebackene Mama gerne annahm. Ohne Scheu näherte sie sich dazu ihrem menschlichen Freund: "Das ist kein Wunder", erklärte Heymann, "beide Füchse sind Fundtiere, die in einer Auffangstation in der Lüneburger Heide mit der Flasche aufgezogen wurden und danach mit sechs Wochen zu uns kamen". Beide Tiergarten-Experten, Wagner und Heymann, freuen sich aber nicht nur über den ganz jungen tierischen Zuwachs. In der nächsten oder der Folgewoche zieht in den Tiergarten eine weitere "gefährdete Haustierrasse" ein. Erwartet wird ein kleiner Trupp "Coburger Fuchsschafe", die somit Tiere wie etwa die Pfalz-Ardenner oder die Bentheimer Schweine ergänzen, die ebenfalls zu Haustierrassen gehören, die es nur noch ganz selten gibt. Wobei es ja eigentlich nur "ein" Pfalz-Ardenner ist. "Artus", der kräftige Wallach, ist alleine - aber nicht mehr lange. Er wird eine Stute namens "Franka" zur Seite bekommen, die aus der Nähe von Idar-Oberstein in den Bauernhof einzieht. "Stuten sind recht selten", freut sich Wagner auf den Zuwachs. Frohe Kunde gibt es auch fürs Wolfsgehege: Hier sind nun, nach dem Tod des Rüden "Mitja", zwei männliche Wolfs-Teenies aus Hirschfeld eingezogen, die von den beiden Isegrim-Witwen gut akzeptiert werden: "Birga" und "Bolek" dürfen also jetzt noch als Halbwüchsige toben, bevor sie dann irgendwann mit der Leitwölfin für Nachwuchs sorgen.


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