Sonntag, 12. Februar 2012 15:46 Uhr
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Wormser Zeitung

Worms 

Werden die beiden Bärinnen vom "Zirkus Universal Renz" artgerecht gehalten?

02.10.2009 - WORMS

Von Susanne Müller

Was ist ein Bär? Ein Bär ist ein Raubtier, ein Einzelgänger und am liebsten in der Dämmerung oder nachts aktiv. Zum Schlafen zieht er sich gerne in Höhlen zurück, hohle Baumstämme oder Erdgruben sind begehrte Unterkünfte. Und wenn’s kühler ist im Herbst, wird Winterruhe gehalten. „Katja“ und „Petra“ sind Bären – Braunbären, die der „Zirkus Universal Renz“ mit sich führt. Sie leben nicht alleine, sondern immer in Gesellschaft der anderen, ein Zirkuswagen ist ihre Höhle, und Winterruhe? Das gibt es nicht, die Bärinnen leben wie Artisten, fahren von Ort zu Ort, treten im Zirkus auf.

Die Gegensätze, die hier aufeinanderprallen, sind offensichtlich. Sie werden mit Worten und vor Gericht ausgetragen zwischen Tierschützern, Tierärzten einiger Veterinärbehörden und den Zirkusleuten. Was die einen als grundsätzlich unvereinbar mit dem Tierschutz ansehen, ist für die, die mit den Bären, leben, kein Grund zur Aufregung. Und die Amtstierärzte? Sie haben die Aufgabe, die Einhaltung der so genannten Zirkusleitlinien zu überprüfen, die vorgeben, wie Tiere, „die zur Schau gestellt werden“, gehalten werden sollten. Betreiber großer, solventer Unternehmen wie „Universal Renz“ erfüllen diese Mindest-Anforderungen zumeist – „aber nicht alles, was rechtens ist, ist auch tierschutzkonform“, sagt Jutta Flohr vom Veterinäramt Wetteraukreis, wo der Zirkus seinen Heimatstandort hat. Die Leitlinien seien veraltet, spiegelten schon lange nicht mehr den aktuellen Wissensstand über die Haltung von Tieren wieder: „Wenn man den natürlichen Lebensraum der Wildtiere – auch der der Tiger oder der Elefanten – mit dem vergleicht, was im Zirkus Renz geboten wird, ist das traurig“, so Flohr. Die Heimatbehörde, so erläuterte sie, „sieht die Haltung bei Universal Renz als nicht tierschutzkonform an“.

Eine Ansicht, die vor Gericht, bei der Direktor Daniel Renz dagegen geklagt hatte, nicht durchging. Es gab keine Auflagen mehr für die „Zurschaustellung“ der rund 100 Tiere des Zirkus’ – nur die Bären darf er nicht auftreten lassen oder in der Tierschau zeigen. Deshalb werden sie „ohne Aufgabe“ mitgenommen – am Mittwoch zumindest bei der Premiere waren sie nicht im Manegenrund zu sehen, der Pressesprecher des Zirkus’ hatte betont: „Sie treten nicht auf“.

Dass das juristische Zerren hier aber noch nicht beendet ist, zeigte die Aussage, dass die Tiere einem Artisten gehörten, der die Erlaubnis zum Auftritt mit den Tieren habe. Und deshalb würden die Bärinnen auch auf jeden Fall weiter mitgenommen und nicht, wie von Jutta Flohr vorgeschlagen in einen Bärenpark übernommen werden, wo es schon zwei Plätze für die alten Bären-Damen gibt: „Derlei Vorschläge zu machen, ist nicht ihre Aufgabe“, empörte sich Zirkus-Sprecher Holger Fischer. Jutta Flohr ficht das nicht an: „Es ist schade, dass der Zirkus die Bären nicht abgibt“, sagt sie und wünscht sich eine übergeordnete Stelle, eine „Task Force“ für Zirkusse, die die Einhaltung der Richtlinien über mehrere Gastspielorte hinweg beobachten: „Es mangelt leider an Kräften, um das Tierschutzgesetz vor Ort stetig umzusetzen“.

Gegensätze, die wohl noch lange aufeinanderprallen – „Katja“ und „Petra“ werden eine Lösung nicht mehr erleben.

Bärin des Zirkus"Universal Renz"

Bärin des "Zirkus Universal Renz" Foto: Rainer Klotz


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