Freitag, 03. September 2010 10:57 Uhr
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Wormser Zeitung

Worms 

Schaufensterpuppen erhärten in der Wormser Rheinstraße Prostitutionsverdacht

26.08.2009 - WORMS

Von Johannes Götzen

Die Geschichte wird in der Rheinstraße derzeit gerne erzählt: Hans-Joachim Kosubek, als Dezernent zuständig für das Institut für Stadtgeschichte, wollte sich die bei Bauarbeiten entdeckte Woog-Brücke aus dem 17. Jahrhundert ansehen. Der Dienstwagen parkte also ganz unten in der Rheinstraße, unmittelbar vor der großen Baustelle. Der Fahrer wartete dort am Wagen auf seinen Dezernenten ­ als ihn eine junge Frau ansprach, ob er denn nicht mir ihr hier ins Café kommen wolle für eine schöne Stunde.

Dass in einigen Cafés dort der Prostitution nachgegangen werde, das haben Anwohner schon häufiger berichtet. Die Stadt allerdings wollte dies bislang nicht bestätigen, sie habe davon keine Kenntnis, hieß es stets. Nun, nach diesem Erlebnis seines Fahrers, sieht es Hans-Joachim Kosubek (CDU) ein bisschen anders. Er muss sich darum kümmern ­ denn er ist auch für den Bereich Sicherheit und Ordnung in der Stadtverwaltung verantwortlich. Dann allerdings sagt er auch sofort: “Das ist uns nicht egal. Aber wir haben keine Handhabe dagegen." Denn Prostitution ist nicht illegal. In einem Mischgebiet ist sie erlaubt und noch dazu muss es nicht angemeldet werden.

Dezernent Kosubek sagt, dass man einen guten Überblick über die Szene habe. Etwa 25 Bordelle oder bordellartige Betriebe gebe es im Stadtgebiet. Diese würden auch gemeinsam mit der Polizei immer wieder kontrolliert.

Michael Dommermuth kann das bestätigen. Der Chef der Wormser Kripo betont, dass auch in der Rheinstraße immer wieder kontrolliert wird. Allerdings ist es für ihn keineswegs eindeutig, was hier geschieht. “Wir wissen auch aus anderen Städten, dass in verschiedenen Gasthäusern diese Damen vor den Lokalen Männer ansprechen", sagt der Kriminaloberrat. Allerdings zunächst, um sie zum Verzehr teurer Getränke zu animieren. Mehr passiere in den Gaststuben nach Erkenntnissen der Kripo nicht.

Allerdings: Was etwa in der Wohnung darüber, die nicht direkt zum Café gehört, passiert, das wisse man nicht. Ohne einen juristisch klar umrissenen Verdacht könne auch die Polizei nicht einfach Durchsuchungen starten, betont der Kripo-Chef. Und einen Verdacht auf illegale Machenschaften gebe es im übrigen nicht, betont Michael Dommermuth. Keine der angetroffenen Damen halte sich illegal in Deutschland auf, auch Hinweise auf Zuhälterei ­ die tatsächlich strafbar wäre ­ gebe es keinerlei.
Hans-Joachim Kosubek versucht die ganze Angelegenheit so nüchtern und ruhig wie möglich zu sehen: “Wir können das nicht mit moralischen Maßstäben messen." Es gelte, die klaren Bestimmungen einzuhalten. Das bedeutet, wenn in einem Mischgebiet wie in der Altstadt ein Bordell betrieben wird, ist das zulässig.

Es darf nur nicht in der Nähe von Schulen oder Kirchen nach außen deutlich erkennbar sein, ist eine Einschränkung. Soll heißen: Eindeutige Werbung oder gar Damen in aufreizender Kleidung am Straßenrand sind untersagt. So gesehen habe die Dame, die seinen Fahrer angesprochen hatte, “eine schwere Verfehlung begangen", sagt Kosubek. Doch vermutet er, dass sie sofort erklären würde, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt.
Hoffnung, dass sich nun mit dem ganzen Umbau der Kreuzung und des Rheintorplatzes alles zum Positiven wenden wird, gibt es eher nicht. Seit Jahrzehnten wird versucht, diesen Stadteingang attraktiver zu machen. Sogar Geld wollte die Stadt in die Hand nehmen und das Eckgebäude neben der Tankstelle erwerben. “Aber alle Ankaufversuche sind gescheitert", bedauert OB Michael Kissel.

Pinke Stiefel auf Teppich. Symbolbild: Fotolia

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