Explosionen mit Querdenkern
15.11.2010 - WORMS
Von Angela Zimmermann
AUSSTELLUNG „Escape-Happening“ im Schauraum der Fabrik
„Implosion - Explosion“: Begriffe, die man nicht zwangsläufig mit Kunst in Verbindung bringt. Beim „Escape-Happening“ im Schauraum waren sie allerdings durchaus angebracht. Alex „Doc.AtmosfearCrush“, Tobias „Tomahawk“, Marco „Machete“ Müller, Harry Seifert, Astrid Bellefroid und Guido Meyer haben sich zu einer Art Experiment zusammengeschlossen, bei dem sie verschiedene Kunstformen miteinander vereinen. Hervorgegangen ist die Idee eher aus dem musikalischen Bereich, genauer gesagt aus dem „Escape Laboratory“, einem Musik-Projektstudio. „Doc.AtmosfearCrush“ und „Tomahawk“ haben in sieben Jahren 23 Projekte auf die Beine gebracht und 30 Alben veröffentlicht - die meisten fernab des „Mainstreams“. Als Implosion beschreibt „Tomahawk“ den Drang sich mit dem Inneren auseinanderzusetzen, aus dem inneren Schatten ins Licht zu blicken. Für ihn sind die dunklen Seiten Inspiration. Zur Explosion kommt es dann, wenn das Innere schlagartig nach außen strömt.
Bei der Vernissage zum Happening präsentierten die „Querdenker“ unter anderem Fotografien. Manche sind graphisch bearbeitet, andere ohne jeglichen Schnörkel und technischen Feinschliff. Das macht sie umso aufwühlender, wie etwa das Bild eines schmutzigen Pissoirs, neben dem ein Text von „Doc.AtmosfearCrush“ mit der Überschrift „Home is somewhere else“, zuhause ist woanders, hängt. Alle Bilder werden ergänzt durch Texte, die einen mittelbaren oder unmittelbaren Bezug zum jeweiligen Motiv haben. Zu lesen sind Zeilen, die übersetzt so viel heißen wie „wir müssen schreien, doch unsere Zungen wurden herausgeschnitten“ oder „während ich durch den Schmutz deines berauschenden Verhaltens grabe“. Dazu laufen an der gegenüberliegenden Wand experimentelle Filme von Harry Seifert, die eine ähnlich verstörende Wirkung haben wie die Fotos und die Texte.
Nach „Tomahawks“ Laudatio hat „Sektenbeauftragter“ Jan Mertens seinen großen Auftritt. Er gründet die „Escape-Sekte“, die den Ausbruch aus Restriktionen und der dunklen Welt plant. Ein höheres Wesen, das „Cyber Beast“, spricht zu den Anwesenden und verurteilt das kriegerische Gebaren der menschlichen Spezies. „Das Leben ist eine Rückkopplung, Selbstmord ist kein Ausweg“, gibt es den Happening-Besuchern mit auf den Weg. Im Anschluss stellt Guido Meyer im Keller unter dem Schauraum „Musik zwischen Raum und Zeit“ vor, das „Projekt Klangform“ von Marco Müller lässt „minimal“-Beats erschallen.
