Wenn sonst nichts geht: Mit der Giftspritze gegen den Buchsbaumzünsler in Worms
04.09.2010 - WORMS
Von Roland Keth
Ob Dom-Kreuzgang, Schloss-, Pfrimm- oder Heylshofpark – der Buchsbaumzünsler hat sich in den letzten Tagen massiv im Stadtgebiet ausgebreitet und frisst sich genüsslich durch die Buchsbäume – natürlich auch bei privaten Pflanzenliebhabern. „Dieser Schädling, den wir bislang überhaupt noch nicht kannten, hat sich ruckzuck ausgebreitet und richtet große Schäden in unseren hochwertigen Anlagen an“, ärgert sich Erich Kulling von der Rathaus-Abteilung Grünflächen und Gewässer über das Zerstörungswerk der gefräßigen, fünf Zentimeter langen Raupen, die einen grünen Leib mit hell-dunklen Rückenstreifen und einen schwarzen Kopf aufweisen.
Der Buchsbaumzünsler (Glyphodes perspectalis) ist allerdings nicht so ganz einfach zu bekämpfen, wie Kulling mittlerweile weiß. „Wir sind da noch in der Experimentierphase und benutzen im Augenblick ein biologisches Mittel – ähnlich dem, das wir gegen den Eichenprozessionsspinner verwenden.“
Erst wenn nichts mehr hilft zur Giftspritze greifen
Wie soll nun der Privatmann reagieren? „Kontrollieren und noch einmal kontrollieren“, nennt Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz in Neustadt als wichtigste Grundregel. Die Raupen überwintern in Gespinsten im Buchsbaum-Inneren und beginnen ab März/April, sich von innen nach außen zu fressen. Sie durchlaufen bis zur Verpuppung mehrere Larvenstadien und leben als Schmetterlinge kaum zehn Tage, in denen sie dann ihre Eier ablegen. In Deutschland können bei günstigen Witterungsbedingungen pro Jahr bis zu vier Generationen auftreten. Fachleute gehen davon aus, dass etwa alle zwei Monate eine neue Zünsler-Generation schlüpft.
Hat der Buchsbaum-Besitzer Gespinste oder Raupen entdeckt, rät Werner Ollig, die „Nester“ zu entfernen, sie in die Mülltonne zu werfen und die Raupen zu töten. Haben die Tiere schon große Teile des Buchses zerstört, sei es am besten, so Ollig weiter, die Pflanze zurückzuschneiden. Diese Maßnahmen seien im Grunde am effektivsten und am ökologischsten. Wenn der Befall allerdings so massiv sei, dass die mechanische Bekämpfung aussichtslos scheint, erst dann rät der Experte, Spritzmittel einzusetzen. Etwa „Schädlingsfrei Calypso“ oder „Spruzit neu“. Es gibt auch ein biologisches Mittel („Schädlingsfrei Neem“), das aber nur helfe, wenn es sehr früh gegen kleine Larven eingesetzt werde. Wichtig: „Wenn gespritzt wird, dann mit hohem Druck und tropfnass in die geschützten Gespinste, sonst wirkt das Mittel nicht. Und auch danach gilt: immer wieder kontrollieren!“ Der Zünsler überwintere als Larve und fühle sich auch bei Kälte noch ganz wohl, weiß der Neustädter Experte und rechnet deshalb fest damit, dass der Raupenfraß auch im kommenden Jahr noch ein Problem sein wird.
