Brandanschlag auf Synagoge in Worms: Täter unbekannt, Ermittlungen dauern an
14.07.2010 - WORMS
Von Johannes Götzen
Nach wie vor haben Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei keine Hinweise auf den oder die Täter, die Mitte Mai einen Brandanschlag auf die Synagoge verübt haben. Die Ermittlungen liefen „auf außerordentlich hohem Niveau“, so der stellvertretende Leitende Oberstaatsanwalt in Mainz, Michael Brandt. Sehr zeitintensiv und unter Einsatz des gesamten technischen Know Hows von Landeskriminalamt und Bundeskriminalamt seien die Spuren untersucht worden. Doch habe sich bislang keine „heiße Spur“ ergeben, auch die brandtechnischen Untersuchungen hätten kein außergewöhnliches Ergebnis geliefert, das weiter geholfen hätte.
Brandt, der innerhalb der Mainzer Staatsanwaltschaft der zuständige Dezernent und deshalb bei den Ermittlungen immer auf dem aktuellsten Stand ist, betonte, dass in alle Richtungen ermittelt worden sei. Doch weder in rechtsextremen Kreisen noch im palästinensischem Umfeld - am Tatort gefundene Schreiben deuteten in diese Richtung, gelten aber bislang nicht als authentisch - fanden sich Hinweise auf Täter. Befragungen der Anwohner, Flugblattaktionen der Sonderkommission der Kripo, selbst die Ermittlung von Jugendlichen, die sich nachts in der Wormser Altstadt aufgehalten hatten, brachten keinen Erfolg, macht der Staatsanwalt den Aufwand deutlich.
Belohnung von 10.000 Euro brachte bislang nichts
Einzige neue Erkenntnis von Staatsanwalt Michael Brandt nach Auswertung aller Spuren:„Es spricht einiges dafür, dass der Brandbefund im Inneren der Synagoge unter einer Treppe nicht von außen entstanden sein kann.“Das bedeutete, dass sich ein Täter im Inneren aufgehalten haben muss. Die Tür zur Synagoge allerdings war verschlossen, als die Feuerwehr in der Nacht zum 17. Mai am Synagogenplatz eintraf. Deshalb wurde untersucht, wer alles einen Schlüssel hat oder haben könnte. Aber auch muss der Staatsanwalt berichten, dass es bislang keinerlei Verdacht gegen konkrete Personen gebe. Es sei „kein sehr eng abgegrenzter Bereich“ von Personen, die einen Schlüssel besitzen können. „Da gibt es null Verdachtsmomente“, so Michael Brandt. Selbst die ungewöhnlich hohe Belohnung von 10.000 Euro, die die Landesregierung ausgelobt hat, brachte bislang nichts.
Und trotzdem:Die Ermittlungen gehen weiter, die Akte werde noch keineswegs geschlossen. Nach wie vor würden Befragungen laufen, auch die Brandsachverständigen würden weiter arbeiten. Allerdings:Je länger der Anschlag zurück liegt, umso unwahrscheinlicher wird es, dass sich etwa Zeugen melden. Gleichwohl ist die Polizei natürlich weiterhin für Hinweise dankbar. Ein Ermittler drückte gegenüber der WZ seine Hoffnung so aus:„Vielleicht trinkt einer der Täter mal abends zuviel und verplappert sich.“
