THW legt überraschend einen Teil der früheren Stadtbefestigung frei
20.06.2010 - WORMS
Von Susanne Müller
Auf dem "Heiligen Sand“ in Worms wurde eine aufregende Wieder-Entdeckung gemacht: Unter dem jüdischen Friedhof verläuft an der Nordseite ein unterirdischer Gang. Das gemauerte Bauwerk mit Gewölbedecke stammt aus dem Jahr 1617, war über Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, im Zweiten Weltkrieg als Luftschutz-Einrichtung genutzt worden - aus dieser Zeit stammt auch ein betonierter Eingang auf dem Gottesacker, der nun aufgebrochen wurde.
Auf 44 Metern ist das unterirdische Bauwerk noch begehbar, der übrige Teil scheint eingestürzt. Das vermuteten nach der ersten Wieder-Begehung nach Jahrzehnten Dr. Irene Spille von der Unteren und Pia Heberer von der Landes-Denkmalbehörde. Dies ergab eine Probebohrung durch eine Betonwand, die offenbar in der Mitte des vorherigen Jahrhunderts eingezogen worden war, um den eingestürzten Teil des Tunnel vom noch begehbaren abzutrennen.
Die Leiterin des Referates Bauaufsicht des Landes will weitere Untersuchungen vornehmen, um so festzustellen, ob tatsächlich der gesamte weitere Verlauf desTunnels in Richtung Stadtmauer zerstört ist. Der noch begehbare Teil, der bis unter das heutige Bahngelände reicht, wird dokumentiert und vermessen.
Tunnel war einst Teil der Stadtvefestigung
Der Tunnel war einst Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, reichte von der Stadtmauer bis zum Stadtgraben. Er wurde im Jahr 1617 gebaut - und die damaligen Bauherrn waren nicht zimperlich, was das Material anbelangt: Sie nutzten Grabsteine des Gottesackers, um den Boden auszulegen. Diese wurden dann Anfang der 1930er Jahre wieder herausgenommen und in die Mauer des Heiligen Sandes eingebaut, wo sie heute noch zu sehen sind.
Einer wurde dabei vielleicht vergessen: Gefunden wurden bei der Begehung nun Bruchstücke eines jüdischen Grabsteins aus dem 17./18. Jahrhndert, offenbar vom Grab einer Frau. Zur weiteren Erforschung und Übersetzung der Inschrift wurde er zunächst ins städtische Museum gebracht.
