Von Sylvia Rathjen
PATCHWORK Nibelungenquilter feiern 20-jähriges Bestehen mit Ausstellung
Es waren die Frauen der frühen amerikanischen Siedler, die Stoffreste gemeinsam zu Quilts verarbeiteten. Das Quilten kommt aus dem Englischen „to quilt“ und heißt soviel wie „absteppen“. Denn das fertige Stück, der Quilt, besteht meistens aus drei Lagen, die miteinander vernäht werden, damit die Füllung - meist wärmendes Vlies - nicht verrutscht. Das Quilten galt als wichtiges soziales Ereignis, bei dem Neuigkeiten und Geschichten ausgetauscht wurden.
Aus Volkshochschulkurs entstanden
Um Gespräche und Geschichten, vor allem aber um das gemeinsame Quilten, geht es seit 20 Jahren auch bei den Nibelungenquiltern. Die Gruppe der evangelischen Erwachsenenbildung entstand 1990, nachdem die Vorsitzende Jutta Reichenbach einen entsprechenden Kurs an der Volkshochschule angeboten hatte. „Die Teilnehmerinnen wollten gerne auch nach dem Kurs gemeinsam ihre Sachen fertig nähen“, blickt Reichenbach zurück. Sie selbst hatte die Patchwork-Technik in verschiedenen Kursen gelernt und war durch eine Amerika-Reise auf das Quilten aufmerksam geworden.
Inzwischen bestehen die Nibelungenquilter aus 28 Frauen, die sich monatlich im Gemeindehaus der Magnusgemeinde sowie zu einem Frühstück treffen. „Außerdem unternehmen wir gemeinsame Ausflüge, beispielsweise ins französische St. Marie Aux Mines, dort gibt es einen jährlichen Quiltmarkt. Das ist sozusagen das Mekka der Quilter“, erklärt Nibelungenquilterin Dagmar Aker.
Im Januar haben die Frauen, bei denen die Altersspanne von 23 bis 87 Jahre reicht, ihrer Heimatstadt für ein paar Tage den Rücken gekehrt. „Bei einem kleinen Urlaub in Enkenbach haben wir uns nur verwöhnen lassen und den ganzen Tag gequiltet. Wir haben sogar gehofft, dass wir eingeschneit werden, damit wir noch ein bisschen bleiben können“, erzählt die Vorsitzende schmunzelnd. Und Mitglied Christine Springer stimmt ihr zu: „Man glaubt gar nicht, wie lange man nähen kann.“ Stundenlang könne man dasitzen.
„Ein Kind verkauft man nicht“
Die Ergebnisse der Näh-Arbeit der letzten drei Jahre wollen die „Quilting Bees“ ab heute in ihrer siebten Ausstellung präsentieren (siehe Kasten). Zusätzlich wird in der Magnuskirche an Verkaufsständen Quilt-Zubehör angeboten. „Quilts verkaufen wir aber nicht“, sagt die passionierte Näherin Eva Ruckrich. „Sein Kind verkauft man ja auch nicht.“
Denn die vielen Stunden, die an jedem Stück verbracht werden, machen jeden Quilt zu einem besonderem Exemplar. „Da steckt ein großes Stück Persönlichkeit drin“, betont Reichenbach. Deshalb lasse sich ein Quilt höchstens verschenken. „Und auch dann ist es sehr persönlich, da ich meine ganzen Gedanken und guten Wünsche mit verarbeitet habe“, erklärt Christine Springer.
Brauchbare Voraussetzungen für das Hobby sind natürlich handarbeitliche Fähigkeiten, zumindest aber Grundkenntnisse im Nähen. „Es kommt auf die Genauigkeit an und man muss Geduld haben für ein exaktes Arbeiten.“ Wer sich hiervon angesprochen fühlt, darf sich bei den Nibelungenquiltern melden. Die fröhliche Frauenrunde ist nämlich auf der Suche nach Nachwuchs.
Warum Quilten soviel Spaß macht? Jutta Reichenbach braucht da nicht lange zu überlegen: „Beim Quilten gibt es unendliche Möglichkeiten und man hat immer einen Grund, neuen Stoff zu kaufen.“ Genau deshalb gebe es unter den Quilt-Fans auch ein - nicht ganz so ernst gemeintes - Sprichwort: „Wer am Sterbebett den meisten Stoff hat, hat gewonnen.“
