Von Johannes Götzen
Auch die Flugblattaktion der Sonderkommission brachte bislang keine neuen Erkenntnisse zum Brandanschlag auf die Synagoge. Wie Polizeisprecher Klaus Weinmann am Mittwoch gegenüber dieser Zeitung erklärte, gab es bislang sechs Anrufe von Zeugen. Auch wenn noch Details ausgewertet werden müssten, habe man bislang keine entscheidende Spur gefunden.
Allerdings hoffen die Ermittler immer noch auf weitere Zeugen. Am Dienstagabend wurden in der näheren Umgebung der Synagoge insgesamt 250 Flugblätter verteilt. „wir hoffen, dass sich im Laufe dieser Woche noch der ein oder andere Zeuge meldet“, so Weinmann. Erfahrungsgemäß werde es aber immer schwerer, Hinweise zu bekommen, je länger die Tat vorbei ist.
Die Synagoge ist für Besichtigungen wieder geöffnet
In der Nacht zum Montag hatten bislang unbekannte Täter an acht Stellen an der Außenwand der Synagoge Feuer gelegt, zudem war ein Brandsatz an ein Fenster im Obergeschoss geschleudert worden. Zum Glück war er nicht ins Innere gelangt – hinter dem Fenster befindet sich die Bibliothek der jüdischen Gemeinde.
Die Absperrung des Synagogenplatzes ist mittlerweile entfernt worden. Die Synagoge und das Frauenbad sind wieder regulär zu besichtigen, so der Leiter des Stadtarchives, Dr. Gerold Bönnen. Die Schäden durch den Brandanschlag würden sich nach ersten Begutachtungen glücklicherweise in Grenzen halten. Offenbar seien die Sandsteine des Mauerwerkes nicht über längere Zeit extremer Hitze ausgesetzt gewesen, so dass keine Teile abgeplatzt seien.
In dieser Woche werde ein Restaurator des Landesamtes für Denkmalpflege, der ohnehin gerade in Worms arbeite, die Rußschwärzungen genauer ansehen und prüfen, wie sie entfernt werden können. Selbstverständlich geschehe alles in Abstimmung mit der jüdischen Gemeinde.
Verein Warmaisa sammelt Unterschriften
Der Brandanschlag auf die Synagoge hat auch beim Verein Warmaisa Entsetzen und Empörung hervorgerufen. Spontan fasste der Vorstand den Beschluss, zu einer Mahnwache am Mittwoch aufzurufen. Da sich über Anrufe und Telefonate aber bereits am Montag eine große Menschenmenge vor der Synagoge einfand, Solidarität bekundete und die Tat schärfstens verurteilte, sagte der Verein eine weitere Veranstaltung ab.
Um aber noch weitere Teile der Bevölkerung einzubeziehen, möchte Warmaisa eine Solidaritätserklärung in Form einer Anzeige in der "Wormser Zeitung" abgeben, die von möglichst vielen Menschen unterzeichnet werden sollte. Wer sich beteiligen möchte, möge bitte bis Freitagmorgen, 10 Uhr, eine E-Mail an den Vorsitzenden von Warmaisa, Roland Graser, senden: r.graser@nexgo.de. Telefonische Meldung (0 62 41 / 27 508) bitte nur im Fall, dass keine E-Mail-Adresse vorhanden ist.
Islamischer Dachverband verurteilt Brandanschlag
Am Mittwoch meldete sich zudem der Islamische Dachverband Worms e.V. zu Wort Entsetzt seien sie gewesen, als sie von dem Anschlag hörten. „Das im 21. Jahrhundert noch solche Attentate mit rassistischer und extremistischer Absicht durchgeführt werden, ist für uns ein Dorn im Auge“, heißt es in einer von den fünf islamischen Gemeinden in Worms unterzeichneten Erklärung.
Aufs Schärfste verurteile man dieses „verabscheuungswürdige Verbrechen“. Antisemitismus und politischer Extremismus dürften in keiner Form geduldet oder toleriert werden. Man trauere mit der jüdischen Gemeinde und hoffe, dass dieTäter schnell gefasst werden.
