Von Martina Wirthwein
BENEFIZSITZUNG Horchheimer verleihen Mäuse als Orden
Die Katholische Kirchengemeinde Eisbachtal feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Der Auftakt erfolgte so, wie es sich in der fünften Jahreszeit gehört - närrisch mit einer Benefizfastnachtssitzung, die in lediglich knapp vier Wochen Vorbereitungszeit auf die Beine gestellt worden war. Mitsamt "dollem" Hausmeister (Michael Bittlingmaier), Triebfeder der närrischen Kokoloresschau, der später als Blumenliebhaber zu sehen war und dem blühenden Grün mit der Gitarre ein Ständchen brachte, und "armen Kirchenmäusen" alias süßen Speckmäusen, die es anstelle blankgeputzter Orden gab. Der Erlös fließt zugunsten der "Kersch, die do oben schun 100 Johr steht uff´m Bersch", wie Sitzungspräsident Robert Geiser gut gelaunt verkündete. Denn das Dach eben jener Heilig-Kreuz-Kirche wird zurzeit bekanntermaßen saniert.
Das Engagement der Gemeindemitglieder ist groß. Innerhalb nicht mal eines Jahres sind 97000 Euro zusammen gekommen; resultierend aus Spenden und Benefizveranstaltungen, wie eben der Fastnachtssitzung, die Pfarrer Bardo Maria Haus einläutete. Gemeinsam mit Wiltrud Hasch, Birgit Eib und Albert Krost erzählte er die Geschichte der Kirchenglocken nach. "Dunkel schlägt die große Glocke jede Stunde ihren Schlag. Fällt sie einmal aus, fragt man nach bei Pfarrer Haus, was das wohl bedeuten mag." Als ein Erlebnis, den Pfarrer auch mal anders kennen zu lernen, beschrieb Robert Geiser den Auftritt des Kirchenmanns und legte ihm einen als "Kuschelrosenkranz" getarnten Schal um den Hals.
"Ich wär sehr reich, wenn ich heimwärts fahre. Dort kauf ich Sachen Schöne, für teuren Euro", schwärmte Vanessa Holz, die als Pizzabote auf der Suche nach dem großen Geld die Lacher auf ihrer Seite hatte. Was eine Kirchenmaus so alles mitbekommt, wusste Hildegard Kloos zu erzählen, wohingegen Brigitte Bittlingmaier und Gerhard Hasch das in der Fastnachtswelt so beliebte streitsüchtige Ehepaar mimten. Als Obermessdiener vom Eisbachtal gab sich Rüdiger Sulzer die Ehre. "Ich war net groß un net ganz klee; ich war gesund un ach ganz schää", erklärte er allen Ernstes, weshalb man ihn einst zum Messdienen ausgewählt hat. "Macht euch nur keine Sorgen, mir bleibt kein Dreck verborgen", verkündete Christa Ofenloch, die närrisch Putzfraa vum Kinnergarde, alias Miss Marple im Saubermachen und im wirklichen Leben Erzieherin.
Ein Aufsatz, in welchem die Nennung zusammenhängender Hauptwörter untersagt war, sorgte für Lacher und man kann sich lebhaft vorstellen, wie viele Zungenbrecher im Schulwerk über den "Tag des Namens des Vaters" enthalten waren, das Hans-Richard Schmitt ohne Schwierigkeiten vorzulesen wusste. Monika Holz erklomm als schöner Theodor die Bühne. Sie sei "net klor, sie sei ´n Depp", sagte sie von sich. Gereimt und mit viel Witz schloss Pfarrer Bardo Haus den närrischen Reigen. Die Eltern nannten ihn Bardo Maria; ob er Mann oder Frau ist, das wusste er anfangs selbst nicht so genau. Deshalb ließ er es mit der Qual der Wahl und wurde Pfarrer: das sei geschlechtsneutral. Das Engagement der Gemeindemitglieder "erfülle ihn mit Stolz, schließlich geht es hier um viel Holz", unterstrich er vor dem großen Finale und richtete seinen Dank an die Akteure, Helfer und Gäste und auch an die evangelische Gemeinde, welche der närrischen Zunft aus dem katholischen Lager den eigenen Saal zur Verfügung gestellt hatte.
