Von Sylvia Rathjen
Aussage gegen Aussage, zwei Fronten, die sich am kommenden Dienstag, 2. Februar, vor dem Wormser Arbeitsgericht gegenüber stehen. Da sind die vier Kassiererinnen Andrea Z., Karin N., Hildegard L. und Eleonore L., ehemals langjährige Mitarbeiterinnen des Heinrich-Völker-Bades, die ihre Unschuld beteuern. Ihr Standpunkt: eine bewährte Tradition, die Trinkgeldkasse (Höhe 34,02 Euro) wird ihnen als Schwarzgeld ausgelegt, um sie loszuwerden. Auf der anderen Seite stehen die Freizeitbetriebe der Stadt. Sie sagen, es geht um „Fundunterschlagung“ und um gestohlene Wertsachen aus dem Bad-Tresor. Deshalb wurde Strafanzeige gestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Leser diskutieren in Briefen und online über Fall
Wie brisant diese Sachlage ist, zeigt auch die enorme Resonanz bei der Wormser Zeitung. Per Leserbrief hat sich Brigitte Stark geäußert. Sie zeigt sich „erstaunt, mit welchen Geschützen hier auf Spatzen geschossen wird“. Es sei ein Widerspruch in sich, die „Kassiererinnen in aller Öffentlichkeit des Diebstahls zu beschuldigen und anzuzeigen“ und sie sogleich „zu mehr Ruhe und Sachlichkeit“ aufzufordern. „Diebstahl ist Diebstahl und muss geahndet werden, wenn er nachgewiesen werden kann“, meint hingegen Markus Fink, der zugleich die Unschuldsvermutung bei mangelnden Beweisen einfordert. Durchaus kontrovers diskutiert wird das Thema im Online-Auftritt dieser Zeitung. Unter www.wormser-zeitung.de gehören die seit 24. Dezember erschienenen Berichte zum Kassiererinnen-Streit mit rund 4000 „Klicks“ zu den meist gelesenen Artikeln. Wie sehr die Debatte die Wormser Gemüter erhitzt, ist in zahlreichen Kommentaren nachzulesen.
Solidarität mit Kassiererinnen
Die Mehrheit der Leser scheint sich mit den entlassenen Kassiererinnen zu solidarisieren. Deutliche Kritik wird an Geschäftsführer Dieter Haag und an dem für die Freizeitbetriebe zuständigen Dezernenten Georg Büttler geäußert. „Weil der politische Druck und die Wahrscheinlichkeit vor dem Arbeitsgericht zu verlieren, gewachsen sind, sucht die Geschäftsführung und der Dezernent nach neuen Gründen.“ Auch Oberbürgermeister Michael Kissel wird in einigen Einträgen des zum „härteren Durchgreifen“ aufgerufen. Viele geben sich als „Stammgäste“ des Schwimmbads aus und kündigen nun Boykott an.
Doch auch die Position der Freizeitbetriebe wird in den Online-Kommentaren verteidigt. „Es ist nicht mehr wie recht und vernünftig, dass im öffentlichen Dienst mal durchgegriffen wird (...) Da muss mehr gewesen sein, sonst werden solche Verfahren eingestellt.“ Als „selbsternannte Anwälte“ bezeichnet ein Leser jene Kommentatoren, die den Kassiererinnen zustimmen. Und: „Werde es gespannt weiter verfolgen, möge der Recht bekommen, der es auch wirklich hat...“

Dubbeskäsje im Schwimmbad
Für mich hat diese Angelegenheit einen sehr starken Mobbinggeruch. Ich denke man wollte nur Personalkosten sparen und hofft nun das man durch andere Einsatzorte von Seiten der Mitarbeiter kündigt.
Zum Umgang mit Fundsachen ist m. E. auch die Geschäftsleitung gefragt. Sie muß klare Richtlinien herausgeben wie damit zu Verfahren ist. Um hier ein wirkliches Zeichen der Einsicht zu zeigen müßten Herr Haag und auch Herr Büttler Ihre Posten räumen. Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Schade genug daß es auch in öffentlichen Betrieben Einzug hält.
Mit freundlichen Grüßen
einer dem Worms bisher gefallen hat.