Worms: Polizei stoppt Tiertransport auf A 61 - Geschäft mit Hunden
21.11.2012 - WORMS / FRANKENTHAL
Von Susanne Müller
Hunde in engen Boxen. In kleinen Katzenboxen vier Welpen, in Drahtcontainern große Hunde, die darin nicht stehen können. Acht erwachsene Tiere und 33 Hundebabys. Gestapelt in einem Sprinter – und über allem der beißenden Geruch nach Kot und Urin. Der so stark war, dass er Beamten der Autobahnpolizei Ruchheim in der Nacht zum Samstag von draußen, vor dem Auto, auffiel. Sie hatten eigentlich den Fahrer und die Beifahrerin des Opel Vivario, der nachts um 2.10 Uhr auf dem Parkplatz Kurzgewann auf der A 61 gehalten hatte, kontrollieren wollen und waren dann auf das Elend der Vierbeiner aufmerksam geworden.
Die Uniformierten stoppten den Hundetransport, der aus Bulgarien kam und nach Holland weiter wollte. Die zuständige Amtsveterinärin der Kreisverwaltung Ludwigshafen und auch Mitarbeiter der Tierheime Frankenthal und Worms wurden verständigt. Die Tierärztin nahm die Hunde in Augenschein und ordnete an, sie zunächst herauszunehmen und zu versorgen – außerdem wurde die Richtigkeit der Papiere geprüft, den die Fahrer für die Hunde dabei hatten.
Tierschützer - Fehlanzeige
Das zunächst beschlagnahmte Fahrzeug wurde in die Station der Autobahnpolizei gefahren, dort konnten die Tiere nach der schon mehrere Tage dauernden Fahrt dann in der Halle der Polizei ihre Behältnisse verlassen und wurden versorgt.
Die Pressestelle der Kreisverwaltung hatte in ersten Meldungen davon gesprochen, der Transport der Hunde sei von Tierschützern erfolgt und sei „nicht kommerziell“, hatte von Straßenhunden aus Bulgarien berichtet, denen eine neue Heimat gegeben werden solle: „Von wegen nicht kommerziell, da kann ich nur lachen; etwas Kommerzielleres als das habe ich vorher noch nicht gesehen“. Silvia Bertz, Vorsitzende des Wormser Tierschutzvereins, sagt klare Worte. Sie war in der Nacht vor Ort und hat zwei der erwachsenen Hunde mit ins Tierheim genommen – einen Teil der Tiere, vor allem zwei „ausgemergelte Hundemütter mit angeblich ,ihren‘ Welpen“, so die Tierschützer, hatten die Tierhändler sofort wieder einladen dürfen. Ihren Recherchen nach handelt es sich bei der Frau, die diese Hunde in Hollland verkaufen will, um eine professionelle Händlerin, die die Tiere als „Indian Dogs“ per Facebook und auf einer Internet-Plattform anbietet. Die Tiere stammen aus Bulgarien, die Transporteure erhalten für jedes Tier, das bei der Empfängerin ankommt, Geld. „Und deshalb erwiesen sich die Fahrer auch als sehr unverschämt und drängend, als sie bei uns ihre Hunde nicht mehr bekommen haben“, so Bertz. Die Situation eskalierte im Beisein der Amtsveterinärin, die Fahrer wurden des Platzes verwiesen.
Welpen hätten bei Müttern bleiben müssen
Diese Erfahrung machte auch Simone Jurijiw, Vorsitzende des Frankenthaler Tierschutzvereins. Hier sind zehn Welpen untergebracht, sie müssen noch drei Wochen in Quarantäne bleiben. Auch hier hatten die Händler schon am Morgen nach der Beschlagnahme versucht, wieder an die Hunde zu kommen – erst ein Polizeieinsatz stoppte die renitenten Männer. „Die Welpen sind erst knapp fünf Wochen alt, sie wurden viel zu früh von den Müttern weggenommen“, so Jurijiw. Sie seien bislang stabil, wenngleich die Überprüfung der Impfpässe ergeben hätten, dass sie keine ausreichenden Schutz hätten.
Die Tierschützer in Frankenthal und Worms zeigten sich erschüttert über die Rohheit der Menschen, die mit den Hunden umgingen. Es seien viele Tränen geflossen angesichts der Hunde, die völlig verängstigt gewesen seien, zum Teil nicht laufen konnten.
Wie die Kreisverwaltung gestern mitteilte, werde geprüft, Strafanzeige wegen seuchenrechtlicher Bestimmungen zu erstatten: „Wir haben aber noch nicht den Besitzer der Hunde feststellen können – keiner will es sein, wenn es nun um Geld geht“.

