ADFC enttäuscht vom rigorosen Radfahrverbot in Wormser Fußgängerzonen
15.11.2011 - WORMS
Von Johannes Götzen
Man hätte es wenigstens probieren sollen, meint der ADFC und lässt deutlich seine Enttäuschung über das rigorose „Nein“ des Stadtrates zum Radfahren in Fußgängerzonen erkennen. Wie berichtet, hatte die Linke den Antrag gestellt, das Radeln außerhalb der Geschäftszeiten zwischen 20 und 9 Uhr zu erlauben, war aber an der übergroßen Mehrheit im Rat gescheitert.
Für den Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Worms, Dieter Dohmeier, nicht nachvollziehbar: „Nach jahrelangen Diskussionen hätte man vielleicht erwarten können, den Mut aufzubringen, einen Versuch zu starten“, schreibt er der WZ und fügt hinzu: „ Was wir brauchen, ist mehr Rad- und Fußverkehr und ÖPNV, um die Stadt zu urbanisieren und deren selbst anvisierte Klimaziele zu erreichen.“ Der ADFC propagiert das Radeln in Fußgängerzonen außerhalb der Geschäftszeiten schon länger und hält es für ungefährlich. Bis 9 Uhr morgens etwa wären längst alle Schüler durch die Fußgängerezonen hindurch, so Dohmeier.
Er kritisiert zudem, dass vor der Ratsentscheidung nicht auch Fachleute außerhalb des Rathauses gehört worden seien. Gestört hat sich der ADFC zudem an der Art der Diskussion im Rat. So sei man von OB Michael Kissel sachlichere Töne gewohnt, ärgert sich Dohmeier. Kissel hatte am Ende der Ratsdebatte gesagt: „Wer mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone will, der kann verdammt noch einmal diese paar Meter schieben.“ Auch die strikte Aussage des Ordnungsdezernenten Hans-Joachim Kosubek („Das ist nun mal eine Zone für Fußgänger“) lässt Dohmeier so nicht gelten. Die strikte Regel Einbahnstraße habe man auch an mehreren Stellen so ausgelegt, dass Radfahrer sie in Gegenrichtung befahren dürfen - mit Erfolg und ohne Unfälle.
Vor allem aber nennt Dieter Dohmeier gleich eine Reihe von Städten, in denen das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern sehr wohl funktioniere. In Großstädten wie München oder in Mainz etwa, aber auch in deutlich kleineren Kommunen wie in Kirchheimbolanden. Schließlich gelte dies auch für Freiburg. SPD-Ratsmitglied Karlheinz Henkes hatte aus der Öko-Hochburg berichtet, dass dort Radfahrer in Fußgängerzonen geradezu Aggressionspotenzial besitzen würden. Daraufhin hat sich Dieter Dohmeier mit seinen ADFC-Kollegen in Freiburg in Verbindung gesetzt, die die Situation deutlich anders beurteilen. Unfälle etwa gebe es lediglich in den Bereichen, in denen Straßenbahnschienen liegen. Es gebe keine Diskussionen in der Stadt, ob das Radfahren zeitlich oder räumlich eingeschränkt werden solle.
Auch wenn die Entscheidung des Stadtrates demokratisch gefallen und deshalb zu akzeptieren sei, bleibt für den ADFC „ein fader Beigeschmack“. Zumal in derselben Sitzung die lange geplanten und ökologisch sinnvollen S-Bahnhalte Worms-Süd und Worms-West aus Kostengründen gekippt worden waren. Dieter Dohmeier: „Dafür wären einmalig gut 20 Prozent (etwa 1,5 Mio Euro) dessen aufzuwenden, was jährlich für Erhalt und Neubau von Straßen ausgegeben wird, auf denen bekanntlich Fahrzeuge mit CO2-Ausstoß fahren, den die Stadt reduzieren will...“
