Knochenmarkspende für eine Fremde - spannendes Jahr für Schülerin
08.03.2011 - WORMS
Von Till Schöllhammer
Die letzten anderthalb Jahre waren für Michelle Bergner in vielerlei Hinsicht spannend. Gerade macht sie ihr Abitur am Eleonorengymnasium, es galt also gute Noten und Punkte zu sammeln - außerdem ist sie momentan dabei, einem Menschen, den sie gar nicht kennt, das Leben zu retten. Mit einer Knochenmarkspende.
Im November 2009 ließ sich die Schülerin bei einem Infotag am Elo „typisieren“. Ihr wurde also Blut abgenommen, um festzustellen, ob die Stammzellen ihres Knochenmarks anderen Menschen helfen können, ihr erkranktes Mark wieder herzustellen.
Positiver Bescheid im Februar 2010
Und tatsächlich: Im Frühjahr 2010 kam der Bescheid, dass ein passender Empfänger gefunden wurde. „Ich hatte das Ganze schon fast vergessen“, berichtet die Zwanzigjährige aus Worms, „gerade weil es leider sehr selten ist, dass ein passender Spender gefunden wird“.
Im Laufe des Jahres musste sich die Schülerin dann mehreren Tests unterziehen: „Immer wieder wurde mir Blut abgenommen, es wurde auf Krankheiten untersucht und getestet, ob es auch wirklich zum Empfänger passt.“ Da alle Tests gut verliefen, wurde für Februar 2011 ein Spendetermin ausgemacht. „Im Winter 2010 erfuhr ich dann aber, dass der Termin vorverlegt werden musste. Der Patientin ging es anscheinend sehr schlecht.“
Gute Betreuung
Doch auch das war kein Problem und so bereitete sich die junge Frau schon in der Weihnachtszeit des vergangenen Jahres auf die Spende vor. „Zunächst muss man eine Woche lang ein spezielles Mittel nehmen, das die Stammzellen im Blut löst“, erläutert die Abiturientin, „am 28. Dezember wurden mir dann beim roten Kreuz in Frankfurt die Stammzellen entnommen.“
Auch wenn es der Schülerin direkt vor der Spende etwas mulmig war, fühlte sie sich vom DRK sehr gut betreut. „Die Spende dauerte ganze fünf Stunden“, erinnert sich die Wormserin, „das Blut wurde quasi gewaschen, es wurde an einem Arm entnommen, Blutblättchen und -plasma wurden rausgefiltert und dann floss es am anderen Arm wieder zurück.“ Langweilig wurde es dabei nicht: Vier andere Spender lagen mit im Raum. „Wir haben uns unterhalten, einige haben fern gesehen - alle Sorge waren verflogen.“
Wichtige Entscheidungen in naher Zukunft
Über die Empfängerin weiß die Abiturientin wenig: „Es geht um eine 55-jährige Frau, mehr wurde mir nicht gesagt. Aber das finde ich auch ganz gut so.“ Die direkte Verbindung zwischen Spender und Empfänger stellt sich die Schülerin sehr schwierig vor.„Was ist, wenn es nicht gut geht? Umso mehr ich von der Person weiß, desto mehr Gedanken müsste ich mir um solche Dinge machen. Da muss man sich wohl ein bisschen abschotten.“ Dennoch ist die junge Frau voller Hoffnung: „Für viele Menschen ist die Knochenmarkspende die einzige Chance.“
Für Michelle Bergner stehen in naher Zukunft wichtige Entscheidungen an. „Erst einmal möchte ich ein FSJ machen, dann wohl eine Ausbildung zur Logopädin.“ Ob mit der Spende alles glatt lief, erfährt sie schon Ende März.
„Über die Spenderorganisation DKMS kann man dann auch später Kontakt zu Empfänger und Angehörigen aufnehmen - aber alles anonym.“ Rückblickend ist die Abiturientin sehr glücklich: „Ich bin richtig dankbar. Die Organisation war immer für mich da - ich habe oft drei Mal die Woche mit meiner Betreuerin telefoniert! Und wann hat man schon mal die Chance, einem Menschen das Leben zu retten?“
