Von Yasmin Hameed
OFFENE ATELIERS Aktion ermöglicht Blick auf aktuelle Werke / Neue Gestaltung für Fabrik-Fassade
Gewöhnlich steht eine Ausstellung am Ende eines künstlerischen Arbeitsprozesses. Dann präsentieren, im besten Licht und von langer Hand geplant, die Künstler ihre Werke. Wo und wie die "Kunstprodukte" entstehen, erfährt man allerdings meist nur am Rande. Anders nun am Tag der offenen Ateliers: Einmal im Jahr ruft der Berufsverband Bildender Künstler die freischaffenden Künstler des Landes dazu auf, sich und ihre Arbeiten inmitten des täglichen Arbeitsumfeldes zu präsentieren. Auch in diesem Jahr haben sich mit Anna Bludau-Hary, Sylvia Richter-Kundel, Michael Mahla, Walter Schembs und Christine Hach wieder Künstler aus Worms und Umgebung erfolgreich um die Aktion beworben und am Wochenende ihre Ateliers für Besucher zugänglich gemacht.
Transparenz im Kunsthaus
"Einfach auch Neues von mir zeigen", umreißt dabei Sylvia Richter-Kundel ihre persönliche Motivation für die Teilnahme. Wer sie, derzeit noch im Kunsthaus beheimatet, besucht, sieht schnell, womit sich die Künstlerin zurzeit intensiv beschäftigt: Mit dem Arbeitsmotto der "Transparenz" hat sie ihr durchgängiges Werksthema gefunden. Jetzt spielt sie mit der "Entmaterialisierung" der Dinge. Ganze Stadtlandschaften lässt sie aus geweißten Pappschachteln, die sie bis auf dünne "Papierskelette" als formgebende Struktur reduziert hat, entstehen. Wie auch bei ihrer "Möbel-Serie" ergänzt das Auge die fehlenden Teile und erkennt doch gleichzeitig, dass es sich hier bei Stuhl, Tisch oder Schrank eben nicht um funktionale Dinge, sondern nur deren freigelegtes Konstruktionsprinzip, kurz, die Idee der Dinge handelt.
Sich ob der Fülle und Größe seiner Skulpturen nicht allein auf das Atelier festlegen, wollte der Herrnsheimer Walter Schembs. Der Bildhauer hat die Besuchern daher nicht nur in den Hof, Ausstellungsraum und Garten seines Hauses zur Betrachtung der Holzarbeiten eingeladen, sondern auch gleich sein neues Atelier, die "Arsenale", geöffnet. In Gimbsheim beteiligt sich die Bildhauerin Christine Hach an der Aktion des Berufsverbands Bildender Künstler. Sie zeigt in ihrem Werksatelier große Skulpturen für den Außenbereich; im Atelier kann man sich zudem einen Eindruck über die aktuell entstehenden Arbeiten, ihre Kleinplastiken und Wandobjekte verschaffen.
Mit dabei ist auch Schauraum-Organisator Michael Mahla, der kunst- und kulturinteressierte Besucher in die Räume der Wormser Fabrik einlädt. Hier zeigt er neben rheinhessischen Landschaftsbildern und seinen bekannten informellen Werken verschiedene Formen der Aktzeichnung: Eine Ausdrucksform, die er, wie Mahla selbst sagt, für sich "wiederbeleben" möchte.
Mahla-Empfang im Hof
Dass er seine Besucher allerdings nicht, wie das Motto vorgibt, im Atelier, sondern vielmehr mit einer Reihe gemütlicher Sitzgelegenheiten im Hof empfängt, hat einen einfachen Grund: Gerade in den letzten Sommerwochen, so erläutert er, fungierte ihm der große Innenhof als Freilichtatelier. Dem soll also nun zum Tag der offenen Ateliers Rechnung getragen werden: Schließlich entstanden hier nicht nur einige der ausgestellten Aktstudien, sondern auch das neu gestaltete Äußere der Hausfassade will Beachtung finden.
In einer großen Gemeinschaftsaktion haben sich einige Bewohner der Fabrik nach der Betonsanierung zusammengetan und einer der schlichten weißen Fassadenseiten einen neuen Anstrich verpasst. Der nun wiederum passt, als Zitat in warmen Rot- und Gelbtönen eines von Mahlas Informel-Motiven aufgreifend, hervorragend in das Gesamtkunstwerk der Fabrik hinein.
