Freitag, 10. September 2010 13:34 Uhr
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Wormser Zeitung

Kultur 

Spurensuche auf Labyrinth-Pfad

15.11.2008

Von Claudia Wößner

Steinfelder-Vortrag im Mythenlabor

In unzähligen Ländern sind sie zu finden. Es gab sie schon in der Antike. Um Labyrinthe ranken sich viele Mythen. Was passt da besser, als ein Vortrag über die verschlungenen Gänge im kürzlich eröffneten Mythenlabor des Nibelungenmuseums?

Künstler Eichfelder tauchte dazu tief in die Welt antiker Sagen hinein. Dabei machte er reichlich Gebrauch von den technischen Möglichkeiten des Mythenlabors. Er folgte den geheimnisvollen Pfaden und versuchte Licht in das Mysterium "Labyrinth" zu bringen. Doch dass das ganze Wesen des rätselhaften Linien-Systems fast unergründlich ist, gab der Meister seinen Labyrinth-Jüngern gleich mit auf den Weg: "Es wird geheimnisvoll bleiben." Schon da hätten die Besucher wissen müssen, dass die Geschichten um das Labyrinth so verschlungen sind wie die Wege des Gebildes selbst. Und so wurde das Wandeln auf dem Labyrinth-Pfad zu einer regelrechten Spurensuche, bei der man leicht den Ausweg verlieren konnte, sei es in den englischen Rasen- oder den skandinavischen Steinlabyrinthen. Zunächst aber schuf Eichfelder Klarheit: "Es ist ein großes Missverständnis, dass man sich im Labyrinth verläuft", erklärte Eichfelder. Die ersten Zuhörer stutzten da schon. Jawohl, beim klassischen Labyrinth gelange man vom Eingang immer zum Zentrum hin. Das war´s aber auch schon mit dem hundertprozentigen Wissen. Das lag freilich an der Materie und nicht am Wissensstand des Referenten. Denn der bemühte sich redlich, den Weg ins Zentrum zu finden. Das erste Labyrinth? Vermutlich um 2000 vor Christus in Knossos auf Kreta errichtet, definitiv aber um 1200 vor Christus. Gesichert scheint auch, dass die labyrinthischen Muster relativ früh auch an anderen Orten - Südindien, Kaukasus, Skandinavien, England und Deutschland - zu finden sind. Das Wort Labyrinth? Übersetzt heißt es "Haus der Doppelaxt". Herkunft und genaue Bedeutung sind aber nicht mehr nachvollziehbar. Die Funktion eines Labyrinths? Ein Labyrinth war wohl ein Kultort: Für Geburt, Initiation und Tod dürfte das Bauwerk wichtig gewesen sein. Auch der Fruchtbarkeitsritus spielt eine entscheidende Rolle. In unmittelbarer Nähe gibt es zudem häufig Grabanlagen. Für die Sage des Minotaurus ist der Labyrinthkult von entscheidender Bedeutung. Minotaurus wurde in einem Labyrinth gefangen gehalten. Als Nahrung erhielt Minotaurus alle neun Jahre Menschenopfer, der Held Theseus machte den Opferungen ein Ende. Ariadne, die Schwester des Minotaurus, half ihm, indem sie am Eingang des Labyrinths einen Faden befestigte. So verschmolzen Stier- und Labyrinthkult. Mit zu der Symbiose gehören auch Hirsch und Lindenbäume - irgendwie doch ein anheimelnder Platz, das Labyrinth.


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