Von Ulrike Schäfer
Carmen Selzer und ihre Band "6pm" zu Gast im Lincoln-Theater
Carmen Selzer? Diesen Namen verbindet man erst einmal mit Jazz. Die studierte Sängerin (Bachelor of Musical Arts) hatte 2006 vor allem bei ihrem BlueNite-Auftritt im ehemaligen Café Schmitz von sich reden gemacht. Die erste CD "Let him into my heart", die sie jetzt mit Unterstützung von BlueNite im Lincoln-Theater präsentierte, zeigt eine andere Facette der Nachwuchs-Künstlerin. Mit Rock und Pop vom Feinsten gelang es ihr, im Lincoln-Theater ein großes, relativ gemischtes Publikum aus seiner anfänglichen Reserviertheit zu locken, bis es schließlich wippte, klatschte, tanzte und sich nach zwei Stunden mit nur einer Zugabe nicht zufrieden geben wollte. Carmen Selzer und ihre versierte Band "6pm" boten einen Mix aus Liedern der neuen CD und Party-Coversongs, die ein breites Spektrum abdeckten. Dabei konnten sich die Eigenkompositionen, gestrickt nach bewährten Hörmustern, neben Spitzentiteln aus verschiedenen Jahrzehnten durchaus hören lassen. Was beides harmonisch verband und den ganzen Abend rund machte, war vor allem die volle, wandlungsfähige Stimme der Sängerin, die mühelos und ohne Brüche die Tonlagen wechselte und sich gegen die starke Band bei vollem Aufgebot ebenso durchsetzte wie bei leisen Passagen. Geübt durch zahlreiche Auftritte bei Partys und Weinfesten, agierte Carmen Selzer von Anfang an souverän, wurde im Laufe des Abends noch sicherer, bewegte sich gelöster und flirtete nach links und rechts, was das Zeug hielt. Immerhin ging es auch thematisch, so weit es sich verstehen ließ, vorwiegend um Liebe und Gefühle wie auch im einzigen deutschen Beitrag: "Ich lebe" von Christina Stürmer. Neben dem Titelsong "Let him into my heart", bei dem sich Gitarrist Sepp einmal mehr profilieren konnte, gab es aus eigener Werkstatt unter anderem das melodisch-kuschelrockige "Flight to the moon" (von Keyboarder Peter Schnur opulent veredelt) und die stimmungsvolle Ballade "Take my soul away from here", bei dem Schlagzeuger Alex zeigen konnte, was er drauf hat. Zu den Highlights gehörten Totos "Hold the line" "Bring me some water" und "Like the way I do" von Melissa Etheridge, "Crazy" (Seal/Alannis Morissette). Eine kleine Rarität war Carole Kings "You make me feel like a natural woman", das Gitarrist Sepp noch in Studienzeiten in einen waschechten Reggae verwandelt hatte. Dabei kam Carmen Selzers Stimme geradezu verführerisch sexy rüber. Nachdem sich Carmen Selzer, die bei der Blue- Nite-Session in der Krone und danach wieder beim Jazz-Festival zu hören ist, verabschiedet und bei BlueNite-Chef Volker Wengert bedankt hatte ("Ich finde es super, dass ihr Nachwuchskünstler fördert"), gab´s noch "What´s up" (4 non blondes) und als Zugabe Kim Wildes "Kids in America".
