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Wormser Zeitung

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Kultur 

Blick über den Tellerrand

22.02.2010 - WORMS

Von Angela Zimmermann

AUSSTELLUNG II "Don´t be afraid of yourself": Der Künstler und Designer Harry Seifert
im Schauraum der Fabrik

"Über den Tellerrand schauen", das macht Harry Seifert gerne. Der junge Künstler und Designer, der seine aktuelle Ausstellung "Don´t be afraid of yourself" derzeit im "Schauraum" präsentiert, hat sich immens weiterentwickelt. Zwar war bereits in der Schulzeit sein außergewöhnliches Talent deutlich zu erkennen, doch seine Kontakte zur Wormser Kunstszene und auch sein Studium - Studiengang Kommunikationsdesign - haben ihm einen gewaltigen Schub gegeben. Der Meister der "Artfatale" ist erwachsen geworden.

"Von der Leinwand zum Rechner" lässt sich seine Entwicklung beschreiben, meint er selbst. Zwar möchte er für persönliche Projekte nun wieder vermehrt auf die Leinwand zurückgreifen, doch seine grafischen und fotografischen Projekte sind schon beeindruckend genug. Wer glaubt, düstere und befremdliche Kunst schrecke grundsätzlich ab, wird bei Harry Seifert eines Besseren belehrt. Seine Werke schockieren bisweilen, doch nicht auf brachiale Art. Sie provozieren, doch sie verleiten den Betrachter nicht zum Wegschauen, sondern zum Hinsehen, zum Hinterfragen.

Seine Porträtfotografien überzeugen durch perfekte Lichtverhältnisse und immer neue Ideen. Ein Blickfang der ganz besonderen Art ist das Selbstporträt, das den jungen Künstler als Geisha mit strahlend weiß geschminktem Gesicht und knallrotem Kussmund zeigt. "Sieht sich der Künstler selbst so", muss man sich fragen, denn direkt daneben zeigt er sich gekrümmt in einem verzweifelten Schrei. Ein Bild, das so viele Emotionen transportiert, dass der Schmerz geradezu auf den Betrachter überspringt. Harry Seifert liebt es zu experimentieren. Dabei begann alles mit Comiczeichnungen. Schon hier zeichnete sich ab: Seiferts Werke sind fern der "Bilderbuchwelt".

Extravaganz und Provokation sind eher "sein Ding", doch er braucht keine "Horror-Schocker" und Blutorgien wie ein Hermann Nitsch, um mit seinen Bildern Aufsehen zu erregen. Es ist das Außergewöhnliche kombiniert mit dem Gewöhnlichen, das die Blicke auf sich zieht. Für die Werbekampagne eines Turnschuhherstellers lichtete Seifert ein liegendes Modell ab, nur in Unterwäsche, das sich den Schuh zwischen die Schenkel drückt. Dabei verzichtet der Künstler auf plumpe Nacktheit und fängt eine so subtile Erotik ein, dass der Betrachter automatisch gefesselt wird. "Ein geiler Schuh" lautet sein Slogan dazu. Besonders gerne arbeitet Harry Seifert mit Musikern zusammen. "Hier kann man besonders viel Kreativität einbringen", erklärt er. Und die hat der junge Künstler scheinbar im Überfluss. Je nach Musikrichtung setzt er die Bands in Szene. Der "machine head" spricht somit für sich. Seine ersten "Gehversuche" sind auf verschiedensten "Schmierzetteln" entstanden, scheinbar in Gedanken dahin gekritzelt, doch so präzise, dass sie die Blicke auf sich ziehen.

In Zukunft werde die "Artfatale" in den Hintergrund treten müssen, bedauert Harry Seifert. Denn nach Beendigung seines Studiums hat er eine eigene Agentur mit dem vielversprechenden Namen "youlookfor.design" gegründet. Hier stehen die Kundenwünsche klar im Vordergrund. Doch auch darauf freut sich der kreative und kluge Kopf. "Im angewandten Bereich bin ich überhaupt nicht festgelegt", versichert er.

Hat keine Angst vor sich und seinen Einfällen: Harry Seifert im Schauraum. photoagenten / BalzarinVergrößern

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