Von Yasmin Hameed
AUSSTELLUNG "1-Milliarde-Euro-Projekt" Violetta Vollraths im Schauraum
Es gibt Zahlen, deren Gewicht und Bedeutung kein Sparschwein fassen kann. Zahlen, die so groß sind, dass wir ihren Wert kaum begreifen können. Weil dies nun weniger ein mathematisches als ein politisches Problem darstellt, betreibt die Mainzer Künstlerin Violetta Vollrath unter dem Titel "Das 1-Milliarde-Euro-Projekt" Aufklärungsarbeit: Eine ästhetische Abrechnung mit der abstrakten Größe einer Zahl, die in der Galerie Schauraum zu sehen ist.
Dabei zeigt Violetta Vollrath in ihren 42 meist skizzenhaft gehaltenen Arbeiten mehr als ein Sammelsurium der Summenbildung, wie es die Arbeiten für sich betrachtet zunächst nahe legen könnten: So scheint die Tatsache, dass eine Milliarde im Jahr 2001 etwa dem Jahreseinkommen der 20 meist verdienenden Personen in Deutschland entsprach, zunächst weder erstaunlich, noch moralisch bewertbar. Erst die vergleichende Aufzählung, weiß Violetta Vollrath, kann den Wert von einer Milliarde Euro erst sinnlich und emotional begreifbar machen. Eine Milliarde geben die Deutschen im Jahr für Babywindeln aus, kosten sieben G-8-Gipfel, 25 Theaterneubauten oder 170 Millionen Antipersonenminen, die sich in den weltweiten Lagern befinden. An der moralischen Bewertung lässt die Künstlerin den Betrachter durch die Konfrontation der abstrakten Zahl mit der gegenständlichen Welt nicht vorbei kommen: Eine Milliarde, so hat sie recherchiert, ist der Wert des Jahresverbrauchs an Kaffee in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - und der Jahresverdienst von 520000 Arbeitern auf den Kaffeeplantagen in Brasilien.
Auch mit der Präsentationsweise ihrer Arbeiten orientiert sich Violetta Vollrath an pragmatischen Kriterien: Auf den Inhalt, die Aussage ihrer Bilder kommt es ihr an, und darauf, möglichst vielen Menschen, mit ihren Bildern die Herrschaft des Geldes vor Augen zu führen und sinnlich begreifbar zu machen. Bewusst verzichtet hat sie deshalb auf die kunstvolle Inszenierung. Stattdessen hängen lose Blätter, die mit Fäden und schlichten Clips befestigt wurden, an den Wänden der Galerie Schauraum. Ein geradezu nachlässiger Umgang mit den eigenen Kunstwerken, denen nun beständig Knicke und Flecke drohen? Nein. "Auf diese Weise habe ich die Bilder für eine Ausstellung schnell in einer Mappe verpackt und unter den Arm geklemmt", erklärt die Mainzerin. Dazu gehört schließlich in letzter Konsequenz auch, dass ihre Bilder keine Preise im herkömmlichen Sinn haben. Denn, möglichst viele Bilder zu verkaufen, ist, so ungewöhnlich das klingen mag, gerade kein Ziel der Ausstellung. Wer eines der Werke mit nach Hause nehmen will, muss hier auf eine CD zurückgreifen, mit der sie ihr Projekt dokumentiert hat. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 1. November, samstags und sonntags, 19 bis 21 Uhr.
