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Für mehr Integration: Wormser Stadtrat unterzeichnet "Charta der Vielfalt"

03.09.2010 - WORMS

Von Johannes Götzen

Zum Backfischfest, wenn besonders viele Menschen durch die Rheinstraße kommen, schmücken zwei neue Ortsschilder das Haus an der Ecke Bärengasse:„Worms Stadtteil Neuköln“ steht in großen Lettern darauf. Der Berliner Bezirk Neukölln gilt als höchst problematisch wegen seines hohen Anteils an Migranten und macht etwa mit der Rütli-Schule immer wieder Schlagzeilen. „Gegen solche Leute ist Politik machtlos“, reagiert SPD-Chef Jens Guth auf diese Schilder und meint damit den Besitzer des Hauses. Dabei habe sich die Rheinstraße durch den Ausbau und durch Gastronomie wie Veritas oder Unikat doch in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt.

Unterzeichnung einstimmig beschlossen

Dass es allerdings mit der Integration nicht so leicht ist, zeigen nicht nur solche Schilder, sondern wurde auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrates deutlich. Dort wurde die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt einstimmig beschlossen – obwohl die Inhalte eigentlich Selbstverständlichkeiten seien, wie etwa Karl Müller (FWG/Bürgerforum) oder Kurt Lauer (Bündnis 90/Die Grünen) meinten. Pierre Tchokoute Tchoula (SPD) allerdings fragte, was man denn außerhalb dieser Charta tun wolle? Denn wirklich beteiligt seien Migranten nicht, solange jene aus Nicht-EU-Ländern kein Wahlrecht hätten. „Eine halb offene Gesellschaft ist keine Gesellschaft“, so Tchokoute Tchoula.

Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) betonte zwar, dass dies Sache des Gesetzgebers sei, er aber durchaus für eine Öffnung sei. Kissel fügte hinzu, dass Integration „keine Einbahnstraße“ sei, sondern auch von den Migranten erwarten werden könne, dass sie unsere gesellschaftliche Grundordnung akzeptierten. Die Diskussion um die Aussagen von Thilo Sarrazin, dessen Ton Kissel als „nicht zu ertragen“ bezeichnete, zeigten, wie „hoch emotional“ diese Debatte geführt werde.

Guth: Keine Äußerung zu Sarrazin

Zu Sarrazin indes will sich der Wormser SPD-Vorsitzende Jens Guth gar nicht äußern. „Da wird schon viel zu viel drüber geredet“, außerdem wolle er den Verkauf dessen Buches nicht auch noch fördern. Auch auf die Frage der WZ, ob Sarrazin seiner Meinung nach aus der SPD ausgeschlossen werden sollte, wollte Guth nicht antworten.

Durch die Unterzeichnung der „Charta der Vielfalt“ verpflichten sich die Unternehmen wie die Stadtverwaltung, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiter sollen gleichermaßen respektiert werden, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Diese Idee sei in die Wormser Unternehmen getragen worden, berichtete Kissel. Noch im Herbst werde ein Arbeitskreis zusammentreten, der die vorhandenen Kräfte bündeln und vernetzen und die Ziele der Charta mit der Realität abgleichen solle. Die Stadtverwaltung soll dabei mit gutem Beispiel voran gehen und sich zur interkulturellen Öffnung bekennen.

Wie im Berliner Stadtteil Neukölln fühlt sich ein Anwohner der Rheinstraße und tut seine Meinung durch dieses Schild im Fenster kund. Foto:photoagenten/Axel Schmitz

Wie im Berliner Stadtteil Neukölln fühlt sich ein Anwohner der Rheinstraße und tut seine Meinung durch dieses Schild im Fenster kund. Foto:photoagenten/Axel SchmitzVergrößern

"Charta der Vielfalt"
Die „Charta der Vielfalt“ ist ein grundlegendes Bekenntnis zu Fairness und Wertschätzung von Menschen in Unternehmen. Durch die Unterzeichnung verpflichten sich Unternehmen ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen und Ausgrenzung ist. Die Stadt Worms unterzeichnet die Charta nach einstimmigem Beschluss des Stadtrates.

In der Charta heißt es, dass die Unternehmen „eine Unternehmenskultur pflegen, die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung jedes Einzelnen geprägt ist. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Vorgesetzte wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Werte erkennen, teilen und leben. Dabei kommt den Führungskräften eine besondere Verpflichtung zu.“

Außerdem wollen die Unternehmen ihre Personalprozesse überprüfen und sicherstellen, dass diese den vielfältigen Fähigkeiten und Talenten aller Mitarbeiter sowie ihrem Leistungsanspruch gerecht werden. Die Vielfalt der Gesellschaft innerhalb und außerhalb des Unternehmens soll anerkannt, die darin liegenden Potentiale wertgeschätzen und für das Unternehmen gewinnbringend eingesetzt werden.
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