Von Claudia Wößner
Volker Knies hat ein kleines Museum mit 200 Funkgeräten zusammengetragen
Mit dem Onkel fing alles an. Als der von der Bundeswehr ein Funkgerät mitbrachte, war es um Volker Knies geschehen. Die Begeisterung für "Handgurken", wie Handfunkgeräte unter Amateurfunkern genannt werden, war geweckt. Für 89 Mark kaufte er sich 1976 sein eigenes Gerät, eine 3-Kanal-Universum.
Heute besitzt Volker Knies rund 200 "Handgurken", im Keller seines Hauses in Neuhausen hat er sogar ein kleines Museum. Soviel er weiß, ist es deutschlandweit das einzige Museum für "Handgurken". Die "Universum" ist immer noch der große Schatz von Volker Knies. Mit ihr verbindet Leute heute er viele Erinnerungen. Was heute die Handys sind, waren früher die Funkgeräte für die Hand. Ende der Siebziger hatten die meisten Kinder und Jugendlichen ihre eigene "Gurke". Es war ein richtiger Boom, der Jedermannfunk ("CB-Funk") lag im Trend. "Auf fast jedem Haus war eine Antenne", erinnert sich Volker Knies. Mit seinem Museum holt Knies die Erinnerungen an die Zeit zurück. Zu fast jeder "Handgurke" kann er eine Geschichte erzählen. "Dieses Modell hatte ein Freund", sagt Knies und weiß eine passende Anekdote. Das Funken war damals seine große Leidenschaft. Wenn Knies nach der Schule nach Hause kam, schmiss er seine Sachen in die Ecke und kramte sofort seine "Handgurke" raus. Dann ging es los. Stundenlang wurde gequatscht oder einfach nur zugehört. Auch mit den Mädels wurde mal geflirtet. In den Ferien war von morgens bis abends Funkverkehr angesagt; zunächst mit dem Rufzeichen "Dagobert 3", dann unter dem Namen "Turbo". Die "Handgurken" hatten in der Regel eine Sendeleistung von einem halben Watt. Das reichte gerade mal für eine Entfernung von drei Kilometern aus. Damit gab sich Volker Knies aber natürlich nicht zufrieden. Er tüftelte und bastelte für eine bessere Sendeleistung, so wie andere junge Männer ihre Mopeds frisierten. Irgendwann kaufte Knies auch Verstärker, und so wurden es immer ein paar Watt mehr. Der Haken: Das war verboten, die Funkgeräte waren ja nur für den "Handgebrauch" gedacht. Die Bundespost wachte damals streng über die Einhaltung der Regeln. Auch bei Volker Knies standen die Kontrolleure einmal vor der Haustür. Doch er hatte Glück. Er war nicht zu Hause, nur die Eltern waren da und wussten von nichts. Am 6. Juli 1982 legte Knies seine Prüfung zur Amateurfunklizenz der Klasse B (jetzt Klasse 1) ab. Seitdem war es für den Neuhauser mit dem CB-Funk und der leichten Illegalität vorbei. "Das war kein Vergleich", lacht Knies. Im Amateur-Radio-Club Worms (ARCW) ist der "Handgurken"-Sammler als Zweiter Vorsitzender aktiv. Er trägt das Rufzeichen DF3WG. Vor knapp fünf Jahren packte Knies dann aber doch die Sammelleidenschaft. Von Freunden und Bekannten bekam er einige Geräte geschenkt. Erst danach ging der Amateurfunker aktiv auf die Suche. Auf Flohmärkten und über eine Internet-Auktionsplattform wurde Volker Knies schnell fündig. So wuchs das Museum rapide an. "In einem Jahr waren es mehr als 150 geworden", berichtet Knies. Unsummen von Geld gab der Sammler jedoch nicht aus. Ein Telefunken-Modell von 1966 ist mittlerweile die älteste "Handgurke" von Volker Knies. Als Knies die verschiedenen Modelle damals in das Regal stellte, waren alle Geräte noch funktionstüchtig. Der Markt für die "Handgurken" der Siebziger ist inzwischen weitgehend leer gefegt. Andere Geräte sind für Knies nicht attraktiv: "Da verbinde ich nichts damit", meint der Sammler. So wird es wohl erst einmal keine neuen Exponate im Museum geben.
