Konzert: Katholische Pfarrgruppe gibt Klänge des Mittelalters und der Renaissance in Dittelsheim-Heßloch zum Besten
01.02.2012 - DITTELSHEIM-HESSLOCH
Von Martina Wirthwein
Theoderich Nêmmersatt ist ein „Spilmann von des Unfuhgs Gnaden“ - und er hat eine große Klappe. Dieter Lang-Zörner heißt der Musiker im wahren Leben, und von wem er besagte „Klappe“ hat, weiß wohl nur dessen engster Kreis. Von seiner freundlichen Mama Ulla Lang hat er die sicherlich nicht; ebenso wenig von Papa Reinhold, denn dieser ist ebenfalls freundlich und obendrein ein Diakon. Ist ja auch egal, denn: Riesigen Spaß hat es gemacht, dem Schabernack und natürlich der Musik zuzuhören, die Mutter und Sohn im voll besetzten Haus Sebastian in Dittelsheim-Heßloch dargeboten haben. Überschrieben war das Konzert mit „Zart und Züchtig - Laut und Liederlich“.
Zu hören waren also im ersten Teil fromme und wohlanständige Lieder, darunter Pilgergesänge und Lieder der hohen Minne. Den zweiten Teil bestimmten Bänkelgesänge, Trinklieder und allerlei Frivoles. Mutter Ulla mimte dabei „Anna, die höhere Tochter“ - und die bekam einiges zu hören im Verlauf des Programms. „Seid Ihr bereit, lustige Alte?“, fragte Theoderich frech, nachdem er ein anderes Mal mit Blick auf seine musikalische Begleiterin meinte, als Auto käme sie nicht mehr über den TÜV. „Ach was, sagte ich Auto? Ich meinte Lkw!“ Fürwahr, das Publikum tobte ob solch launischer Sprüche.
Publikum honoriert Darbietungen
Doch nicht nur das Mundwerk funktioniert, auch Musik machen können beide. Und zwar Musik des Mittelalters und der Renaissance und manches Stück ist gar selbst verfasst. Da wäre zum Beispiel „Der Wein“ - ein Lied der Mahnung und der Warnung, sagte der Spielmann. Und das zu Recht, denn immerhin geht es darin um einen, der nach einer durchzechten Nacht in fremder Umgebung aufwacht und von einer „zahnlosen Alten“ als Held im Bett gefeiert wird.
„Das Lied vom Feiern“ stammt auch aus seiner Feder und handelt vom Feiern nach einer arbeitsreichen Woche. Frechfröhlich wie er ist, widmete der Musiker dieses Stück einem arbeitstüchtigen Herrn aus dem Publikum. Vergessen werden darf auch nicht „Das Lied von Gott“. Er habe vom Vater - dem Diakon - den Auftrag erhalten, die Bibel in vier Strophen zusammenzufassen, erklärte Lang-Zörner, um dann mit hörbarem Sarkasmus in der Stimme hinzuzufügen: „Ich gebe zu, da muss man ein bisschen kürzen.“ Das Ergebnis sorgte für anerkennenden Beifall - sogar bei den Bibelfesten in den Reihen der Zuhörer, darunter übrigens weitere Diakone. Die dürften, bedingt durch ihre Lateinkenntnisse, auch alles verstanden haben, von was da in „Ich was ein Chint“ die Rede war („Da sind die ganzen sündigen Stellen auf Latein!“).
Die zum Einsatz gekommenen Instrumente sind zwar nachgebaut, aber historisch den Originalen entsprechend. Da wäre zum Beispiel die Cister; ein Zupfinstrument, mit dem Nêmmersatt das nachdenkliche „Die Macht des Schicksals“ spielte, das aus dem Mittelalter stammt, genauso wie das mit der Laute inszenierte „Unter der Linde“, das aus der Feder des Lyrikers Walther von der Vogelweide entsprungen ist und von der „Anna“ in Mittelhochdeutsch vorgetragen wurde. Ein tolles Konzert, dessen zarte und züchtige Seite genauso viel Freude bereitete, wie die laute und liederliche.
