Schatten über der Schöpfung
14.03.2011 - MONSHEIM
Von Gunter Weigand
ANHÄUSER MÜHLE Künstler-Ehepaar Kircheis zeigt Werke unter dem Motto „Auf der Suche nach dem Licht“
Ohne Licht gäbe es kein Leben, keine Entfaltung von Kunst und Kultur. Auch in der Bibel erschafft Gott erst einmal Licht für die noch wüste Erde, bevor er sie mit seinen Schöpfungen belebt.
Das Ehepaar Birgit und Hans-Jörg Kircheis hat sich im Laufe seines künstlerischen Schaffens immer wieder mit dem Thema Licht auseinandergesetzt. Die Ausstellung „Auf der Suche nach dem Licht“ in der Anhäuser Mühle zeigt Gemälde und Collagen, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.
Vom kleinen Teelicht bis zur strahlenden Sonne
Alle Werke, die in dem Gebäude der Verbandsgemeinde ausgestellt sind, zeigen irgendeine Form von Lichtquelle - angefangen vom unscheinbaren Teelicht bis hin zur strahlenden Sonne. Für Hans-Peter Zobel, der das Ehepaar Kircheis als Galerist betreut, ist auch in jedem Betrachter ein solches Licht, das vielleicht nur einen kleinen Funken benötigt, um entzündet zu werden. „Die Bilder von Birgit und Hans-Jörg Kircheis können diesen Funken auslösen“, sagte Zobel in seiner Laudatio und führte weiter aus, dass die Werke den Menschen über die ästhetische Komponente hinaus etwas mitteilen sollen.
Das Bild „11. September Memorial New York“ zeigt den Blick auf die schwarze Silhouette der Stadt durch ein Fenster, eine kleine Kerze spendet ein wenig Licht. Die Umrisse der durch den Terroranschlag zerstörten Twin Towers sind in geisterhaftem Weiß in das Stadtbild eingefügt und befinden sich im Zentrum des Bilds. Es ist ein wehmütiges, aber auch tröstendes Werk, das Hans-Jörg Kircheis unter dem Eindruck der Katastrophe mit Pastellfarben geschaffen hat.
Seit das Ehepaar aus New York wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, findet die rheinhessische Landschaft immer wieder Eingang in das Schaffen des Künstlers. Kritisch sieht Hans-Jörg Kircheis, dass die Landschaften durch industrielle Bauprojekte immer stärker in Bedrängnis geraten. „Auf verlorenem Posten“ zeigt eine Kirche umgeben von grüner Landschaft, doch im Hintergrund haben sich Autobahnen und Windräder bereits ein großes Stück Land erobert. „Das Land wird durch die Industrie zerbaut, die Kirche dagegen ist ein Symbol für Ganzheit“, erläutert Kircheis das Gemälde.
Zitat und Zeitungsüberschrift als Quelle der Inspiration
Die Herangehensweise von Birgit Kircheis ist eine ganz andere, das liegt natürlich auch an der von ihr verwendeten Collagetechnik. Verschiedenste Materialien und Fotografien werden von ihr miteinander kombiniert und ergeben so farbenfrohe Kunstwerke.
„Die Inspiration steht am Anfang: Das kann ein Zitat, ein Bild oder eine Zeitungsüberschrift sein“, erklärt sie, wie ihre Arbeiten entstehen. Häufig findet sich in ihren abstrakteren Werken wie „Worship of the Sungoddess“ der weibliche Körper wieder, ohne bei aller Deutlichkeit plakativ zu wirken.
