Der Wein ist seine Leidenschaft
21.10.2010 - MÖRSTADT
Von Manfred Janß
AUSZEICHNUNG Gerd Bogert aus Mörstadt von DLG zum zweitbesten Jungwinzer Deutschlands 2010 gekürt
Er ist erst 25 Jahre jung, doch die Leidenschaft seines Lebens hat Gerd Bogert längst gefunden: den Wein mit seinem An- und Ausbau. Neben solider Fachkenntnis hat er dabei Ideen und Visionen, steht aber doch fest mit beiden Beinen auf der heimatlichen Scholle. Daneben bleibt der sympathische junge Mann bescheiden, hat soziales Gespür und einen ausgeprägten Familiensinn.
Gut möglich, dass die Fachjury genau diese Mischung beeindruckt hat und Gerd Bogert deshalb würdig für den zweiten Platz beim bundesweiten Wettbewerb „Jungwinzer Deutschlands 2010“ der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) befand. Vor sich hat er nur die 25-jährige Ilonka Scheuring aus dem fränkischen Margetshöchheim.
Am Anfang war ein Internet-Fragebogen
Dabei nahm er den Wettbewerb anfangs gar nicht so ernst. „Ich hatte davon zum ersten Mal erfahren, als ich die Ausschreibung gelesen hab’. Da ging es erst mal nur darum, im Internet einen Fragebogen auszufüllen. Das waren Fachfragen und eine Einschätzung zu den Branchenthemen der nächsten Jahre. Ich hab’ gedacht, so ein Fragebogen, da kann man nicht viel falsch machen“, erzählt Gerd Bogert.
Umso überraschter war er, als er die Nachricht bekam, dass er bei diesem Online-Test unter den besten zehn gelandet war und zur Endrunde nach Frankfurt eingeladen wurde. „Jetzt sollte ich auch eine Auswahl an Weinen quer durch mein Sortiment einsenden“, berichtet Gerd Bogert. Bei der Endausscheidung in Frankfurt Ende September ging es dann ans „Eingemachte“. Jeder sei einzeln zur Jury hereingerufen worden. „Ich hab’ mich erst mal vorgestellt und erzählt, was ich zu Hause so alles mache. Dann kamen Fachfragen zum Weinbau und eine Blindverkostung, bei der man unter anderem die Rebsorte herausfinden musste“, schildert der junge Winzer. Nach der Prüfung seien alle nach Hause geschickt worden, ohne auch nur ein Wort über das Ergebnis zu erfahren.
„Am nächsten Tag kam ein Anruf, bei dem mir zum zweiten Platz gratuliert wurde“ erinnert sich Gerd Bogert. Wie die anderen abgeschnitten hatten, habe er erst durch die offizielle Pressemitteilung der DLG erfahren. Das sei „einfach super“ gewesen. „Wir waren alle gefrustet vom schlechten Wetter im August. Da hat dieser Anruf natürlich gut getan. Ich hatte auf einmal richtig gute Laune an dem Tag“, strahlt der Mörstädter noch heute. Auch seine Familie habe sich sehr gefreut und der Opa sei mächtig stolz auf ihn gewesen.
Neben seiner Arbeit sind ihm sozialer Zusammenhalt und die Familie ungemein wichtig. „Das ist zwar nicht immer einfach, wenn drei Generationen zusammenleben und arbeiten, aber letztendlich einfach schön“, steht für Gerd Bogert fest. Natürlich gebe es auch Diskussionen, wenn die Weinbauphilosophien aufeinanderträfen. „Aber Moderne und Tradition sollten sich ergänzen, das ist gut für den Betrieb. Denn die Jungen haben die neuen Ideen, die Älteren dagegen haben die lange Erfahrung. Von meinem Opa habe ich zum Beispiel schon viel gelernt über den Einfluss des Bodens und des Wetters auf den Wein“, bekräftigt Gerd Bogert. Er sei jedenfalls sehr froh, dass ihn Vater und Großvater in seiner Arbeit unterstützten.
Voneinander lernen, einander unterstützen
Zusammenhalt ist für ihn aber auch außerhalb der Familie ganz wichtig. Der 25-Jährige engagiert sich in zahlreichen Vereinigungen (siehe Infokasten). „Richtig was erreichen kann man nur zusammen. Wir jungen Winzer in Mörstadt empfinden uns nicht als Konkurrenten, sondern unterstützen uns gegenseitig und lernen voneinander. Und wir machen was für unseren Ort, zum Beispiel wollen wir jetzt den Weinlehrpfad weiter entwickeln“, plaudert Gerd Bogert munter über die neuen Ideen, die ihm jetzt schon ihm Kopf herumschwirren. Und sie alle drehen sich, na, worum schon: Um seine Leidenschaft, den Wein. Worum denn sonst.
