Zwiegespräch mit Werbepausen
21.02.2012 - HOHEN-SÜLZEN
Von Karl M. Wirthwein
SILZER SITZUNG Die Strippenzieher der Hohen-Sülzer Narretei sitzen diesmal im Elferrat
Ein närrischer Elferrat, der diesmal aus Bauarbeitern und Strippenziehern bestand, inklusive Spaten, Hacke und Kabeltrommel - was war da los? Die Fastnacht in Hohen-Sülzen hatten die Aktiven diesmal dem DSL gewidmet und DSL sei ein wunderbares Schlagwort, das sich durch die Sitzung ziehen werde, versprach Präsident Johann Schneider.
Weil die „Silzer“ ohnehin das ganze Jahr über gut gelaunt sind, lautete das diesjährige Motto: „Ob Riese oder Zwergenschar, in Silze ist Fastnacht es ganze Jahr“. DSL könne auch heißen: „Die Silzer Leit“ oder „Das Silzer Land“, ulkte Schneider. Beim DSL sprühen also die Funken, zum Beispiel die Silzer Funken (Leitung Michaela Geib), die in ihren glitzerten Kostümen schon zu Beginn für gute Laune sorgten. Später legte Tanzmariechen Ayleen Kurt noch einen drauf.
Von Männern, die den Einkaufswagen schieben
Wenn zwei spitze Zungen in der Bütt stehen, können sich die Narren im Saal auf etwas gefasst machen. Beim Zwiegespräch von Manni Striegel und Marina Schmidt wurde einmal mehr gegen die Männerwelt gewettert. So seien Männer einen Euro wert, wenn sie im Supermarkt den Einkaufswagen schieben, ließen sie wissen. Bei Petronella Knorzel (Udo Corell) lief im Leben nicht alles gerade, aber dafür war die Familie musikalisch. Der Bruder ein Sänger, denn er sank immer tiefer und seit zwei Jahren brummt er sogar. Allerdings im Knast.
Über Frust in der Ehe berichtete Moni Holzwirth. „Ob im Lebe, ob im Bett; mein Alter ist e Schlooftablett“. Hellwach waren dagegen „Just Dance“ unter der Leitung von Katharina Zerwas. Sie hatten mit geballter Frauenpower ihren Tanz zu den Hits der Rockröhre Tina Turner einstudiert. „Sie sind gern gesehene Gäste aus Heppenheim“, begrüßte Johann Schneider die Formation. Heinz Holzwarth erklomm als Stadtstreicher die Bühne. Sein Motto: „Eine volle Flasche braucht man immer in der Tasche“. Sein Fazit: „Lieber vom Saufen gezeichnet, als von Rembrandt gemalt“.
Herrlich blond kam der Beitrag der beiden „Büttenluder“ (Babs und Leoni Schneider) rüber. Man verstehe es nicht, warum in der Verbandsgemeinde so viel Windräder gebaut würden, es gebe doch schon so viel Wind, überlegten sie. Und was die Energieerzeugung betreffe, habe VG-Chef Ralph Bothe die Konkurrenz „ausgebohtet“, zumal Bothe sowieso die „Heilige Madonna der Windkraft“ sei. Die Gesundheitsreform kann deftige Auswirkungen haben. Wie Sparmaßnahmen umgesetzt werden, zeigten die „fünf alten Törtcher“ (Leitung Marina Schmidt). Da wird Toilettenpapier mehrmals verwendet, die Zahnbürste von mehreren benutzt, das Spülwasser von Mund zu Mund weitergegeben und der gefüllte Nachttopf ins närrische Publikum geschüttet. Darin war allerdings nur Konfetti.
Ein Zwiegespräch mit Werbepausen? Was das Fernsehen kann, können Johann Schneider und Heinz Holzwarth auch. Die spaßigen Wortverwechslungen wurden immer wieder von Reklame unterbrochen. Auch Tabuthemen griffen die Narren auf. Das Trio „Urinalblumen“ deute an, was auf einer Männertoilette passieren kann. Sein Rentnerdasein fristet Johann Schneider als Ganztagskraft seiner Ehefrau. „Wenn man 35 Jahre verheiratet ist, hat man die Pflegestufe drei“, so sein Fazit.
Jubelrufe für die „Koppehocker“
Danach zeigte sich jugendlicher Elan auf der Bühne. Auch in diesem Jahr ernteten die „Koppehocker“ die Jubelrufe der närrischen Massen. Die Choreografie lag in den Händen von Claudia Rasp. Aus dem Nähkästchen plauderten „de Parre und die Ruth“ alias Pfarrer Volker Hudel und Ruth Schultheiß. Der Vorteil an einem alten Auto: Da wird man wenigstens mal abgeschleppt. Mit den „Überzwerschen“, dem als Zwerge verkleideten Männerballett, (Leitung: Susanne Busch und Beate Corell) wurde das Finale eingeläutet.
