Futtern geht vor Singen
09.02.2012 - HAMM
Von Wolfgang Bürkle
SCHUTZGEBIET Vögel finden auch bei kalten Temperaturen auf dem Wörth genug Nahrung
Während die Menschen bei den derzeitigen Temperaturen dick vermummelt möglichst nur wenig Zeit draußen verbringen, haben die Wildvögel derzeit höchstens Futtersorgen. Denn wo vor gut zwei Wochen noch der ein oder andere Vogel munter gezwitschert hatte, liegt das Balzverhalten nun jedenfalls sozusagen auf Eis. Dennoch, das bestätigt der Wormser Nabu-Vorsitzende Matthias Bösl, geht es den Vögeln bei diesen Temperaturen relativ gut: „Natürlich ist die Kälte auch bei ihnen mit Stress verbunden. Solange sie jedoch Nahrung finden, haben sie auch bei kälteren Temperaturen keine Probleme, satt zu werden.“ Beim Sitzen ziehen Vögel den Kopf ein und legen die Flügel an. Durch das Plustern ihres Gefieders bilden sich wärmende Luftpolster unter den aufgestellten Federn.
Reiher kommen aus höheren Lagen an den Rhein
In den Süden ziehen auch längst nicht mehr alle Vögel. Vielen genügt auch der Oberrhein, etwa das Gebiet des Wörth bei Hamm und Ibersheim. Eisvögel oder auch Reiher schätzen hier den verhältnismäßig „reich gedeckten Tisch“. „Reiher etwa essen Mäuse oder Fische. Deswegen sind sie auf fließende Gewässer angewiesen - und wenn in der Pfalz oder der Eifel die Seen, Bäche und Teiche zufrieren, kommen sie an den Rhein, auch hier an den Wörth, um Fische zu fangen“, beschreibt Bösl. Der Eisvogel etwa ist bei der Jagd auf kleine Fische und Wasserinsekten auf offene Wasserflächen angewiesen. „Da kann es manchmal hilfreich sein, wenn man auf seinem Teich zu Hause das Eis weghackt“, ergänzt der Nabu-Vorsitzende - außer natürlich, es sind wertvolle Zierfische darunter.
Problematisch werde es für manche Vögel erst, wenn sich eine dichte Schneedecke bildet. Vor allem Eulen haben dann besondere Mühe, noch an Mäuse zu kommen. Viele Arten, darunter Finken und Ammern, ernähren sich auch vorwiegend von Samen. „Hier sind die Vögel bei Schnee dankbar, wenn sie entsprechend ausgestattete Futterstellen finden“, erläutert Matthias Bösl. Auch landwirtschaftliche Felder, die noch nicht umgepflügt sind, können im Winter wertvolle Nahrungsquellen für Vögel sein. Andere Arten, etwa Amseln, fressen Beeren, sind deswegen froh, wenn noch Efeu, Holunder, Schneeball oder Sanddorn wachsen. „Deswegen appellieren wir immer daran, Gärten naturnah auch mit entsprechenden Beerensträuchern zu bepflanzen“, ergänzt Bösl. Wenn dann die Vögel vorbei schauen, erfreut dies auch den Beobachter - selbst wenn das Futtern dann Priorität vor dem Singen hat.
