In Singapur deutsche Weine ausgeschenkt
09.09.2010 - EICH
Von Manfred Janß
PRAKTIKUM Eicherin Katharina Menger verkostet in Asien auch rheinhessische Tropfen / Aufenthalt Thema der FH-Abschlussarbeit
Katharina Menger ist zwar noch sehr jung, aber schon eine richtige „Reisetante“. Das war bei ihren Erzählungen über ihre beiden Auslandssemester in Peru vor einem Jahr nicht zu überhören (die WZ berichtete). Die 23-Jährige aus Eich, die an der Fachhochschule in Worms Handelsmanagement studiert, zog es nämlich mit 16 Jahren bereits nach Neuseeland, wie sie seinerzeit gestand.
Kaum aus Peru zurück gekehrt, packte sie im Februar dieses Jahres auch schon wieder die Koffer. Singapur hieß diesmal das Ziel. „Abgeflogen bin ich aber erst am Aschermittwoch, die Fastnacht hab ich hier natürlich noch mitgenommen“, verrät Katharina Menger verschmitzt. In den wirtschaftlich rasant aufstrebenden asiatischen Kleinstaat kam sie über eine Ausschreibung des Deutschen Weininstituts (DWI). „Dort wurden junge Leute für ein Praktikum im Ausland gesucht“, erzählt Katharina Menger. Und da sie aus einem Weingut stammt, bot sich ein solches Praktikum für die junge Eicherin geradezu an. Die FH zu überzeugen, für das Unternehmen Singapur freizubekommen, sei übrigens nicht allzu schwierig gewesen, berichtet sie. „Dieses Praktikum wird das Thema meiner Abschlussarbeit sein“, erläutert die 23-Jährige.
In Singapur arbeitete die FH-Studentin in einer Weinhandlung mit angegliedertem Restaurant. Dort stand ausschließlich original deutsche Küche auf der Speisekarte - und das auf höchstem Niveau. „Die Singapurer sind ganz wild darauf“, weiß sie zu berichten. Genauso hoch im Kurs steht dort mittlerweile der deutsche Wein - auch der aus rheinhessischen Lagen. „Meine Hauptaufgabe bestand darin, den Gästen den zum Essen passenden Wein zu empfehlen, Weinproben abzuhalten und ihnen etwas über Wein und Weinanbau zu vermitteln“, beschreibt Katharina Menger ihr Arbeitsfeld.
Und sie kam mitunter aus dem Staunen nicht heraus, welchen Stellenwert Wein in Singapur hat. „Das ist ein absolutes Luxusgut. Wer es sich leisten kann und etwas auf sich hält, legt locker 200 Singapur-Dollar für eine Flasche Wein hin, das sind etwa 100 Euro“, erzählt sie. Im Supermarkt gebe es zwar auch schon Weine für zwölf Euro die Flasche. „Den kann man aber kaum trinken, das ist allereinfachste Qualität“, gesteht sie hinter vorgehaltener Hand. „Qualitativ hochwertiger Wein dagegen ist ein regelrechtes Statussymbol. Er wird richtig zelebriert. Deutscher Wein muss sich vor allem gegen die Konkurrenz aus Frankreich und Australien behaupten“, hat Katharina Menger festgestellt.
Ihre profunden Weinkenntnisse aus dem heimischen Weingut waren deshalb von großem Vorteil. „Die Singapurer wollten einfach alles wissen über Wein und seine Herstellung. Die meisten wissen noch sehr wenig über Wein, zum Beispiel, dass fruchtig nicht gleichzusetzen ist mit süß oder wie eine Weinrebe überhaupt aussieht. Ihr Wissensdurst ist enorm“, berichtet die junge Eicherin. Wein entwickle sich bei den reichen Singapurern zudem mehr und mehr zum Spekulationsobjekt. „Aber sie wissen kaum etwas darüber, wie man ihn über längere Zeit richtig lagert“, erfuhr Katharina Menger zu ihrem Erstaunen. Was sie im Übrigen am meisten wunderte: „Es ist den Leuten nur schwer zu erklären, dass es nicht darauf ankommt, wie viel eine Flasche Wein kostet, sondern ausschließlich darauf, dass er einem schmeckt.“
Wie wichtig der Weinmarkt in dem kleinen asiatischen Staat ist, hat sie schnell herausbekommen: „Singapur ist das Tor zur asiatischen Welt. Dementsprechend hart umkämpft ist der Weinmarkt dort.“ Am meisten freute sie sich daher darüber, „dass ich die Erfahrungen und Geschichten aus unserem eigenen kleinen Weingut hinaus in die Welt tragen konnte“. Fragt sich, wer nun als nächstes ihre Geschichten zu hören bekommt - und wo.
