Auf Feldweg vergewaltigt
10.02.2012 - ALSHEIM/MAINZ
Von Andrea Krenz
GERICHT II Vier Jahre Haft für 32-jährigen Alsheimer / Zweifel an Glaubwürdigkeit von Zeugen
Vor allem die Protokollführerin war es, die gestern im Landgerichtsprozess um die mutmaßliche Vergewaltigung einer Alsheimerin viel zu schreiben hatte. Denn der Vorsitzende der Ersten Strafkammer, Hans E. Lorenz, hatte ein Problem mit mehreren gehörten Zeugen, das er offen ansprach: „Ich glaube Ihnen nicht.“ Tatsächlich schienen die Freunde des 32 Jahre alten Angeklagten und Ex-Ehemanns des mutmaßlichen Opfers sehr bemüht, die Frau in einem schlechten Licht darzustellen. Vor allem, so betonten sie, habe „die Ex“ Freunden gegenüber erklärt, dass sie den Angeklagten fertigmachen und in den Knast bringen werde. „Egal wie.“
Am Ende nützten alle offensichtlichen Hilfeversuche seiner Freunde dem 32-Jährigen nichts mehr. Die Richter verurteilten den Mann zu vier Jahren Haft. Im Gegensatz zu einigen Zeugen sei die Frau absolut glaubwürdig gewesen, so das Gericht in der Urteilsbegründung.
Wie berichtet, wird dem Alsheimer vorgeworfen, seine damals schon von ihm getrennt lebende Ehefrau im Februar 2010 in sein Auto gebeten haben. Doch statt zu reden, habe er Gas gegeben. Die verzweifelten Versuche der Frau, aus dem Wagen zu kommen oder diesen abzustellen, indem sie den Schlüssel zieht, waren laut Anklage fehlgeschlagen. Zuletzt habe der Mann die Frau mit einer Schreckschusspistole bedroht und auf einem Feldweg zu sexuellen Handlungen gezwungen.
Vor Gericht erzählte nun ein Zeuge, dass der neue Freund des mutmaßlichen Opfers damals mit in einer Freundesrunde saß, als er dann via Handy gebeten wurde, er möge die Frau am Supermarkt in Alsheim abholen. „Zusammen waren die dann wohl noch bei der Polizei und im Krankenhaus“, erinnerte sich der Zeuge. Dann aber seien sie gut gelaunt und lachend wieder zum Freundeskreis dazu gestoßen. „Von einer Vergewaltigung wurde da gar nichts gesagt.“ Ein Mechaniker bestätigte diese Aussage. „Die kamen sogar mit zwei Flaschen Wodka. Mal ehrlich, wenn jemand vergewaltigt wird, da feiert der doch nicht.“ Er will sich daran erinnern, dass die Frau ihm später in Einzelheiten von einvernehmlichem Sex im Feld erzählt habe.
Auf nochmaliges Befragen des inzwischen mit dem mutmaßlichen Opfer Verlobten bestätigte dieser, die Frau damals am Supermarkt abgeholt und mit ihr direkt zur Polizei nach Worms gefahren zu sein. Er war ihr und ihrem „Ex“ damals direkt nachgefahren, als der Angeklagte sie „quasi entführte“. Ihm sei dann aber versichert worden, dass der 32-Jährige die Frau zurückbringe, weshalb der Zeuge wieder heimfuhr.
