Von Christopher Mühleck
OLDTIMER MG des Mainzer Professors Dr. Hans-Christoph Reiss begeistert mit beigem Leder und Holzarmaturen
/MAINZ. In Zeiten ausufernder Gigantomanie und exzentrischer Übertreibung sind es oft die bodenständigen Dinge, deren Attraktivität unschätzbar ist. So hat der MG B 1800 mit Charakter von Prof. Dr. Hans-Christoph Reiss, obwohl nach oben offen, mit allen vier eleganten Pneus immer Bodenhaftung.
"Ich habe in der Zeitung von der Serie über die Autos mit Geschichte gelesen und bin so auf den Oldtimer Club Rhein-Main (OCRM) aufmerksam geworden. Eigentlich wollte ich einen Triumph Spitfire, aber nach einigen Gesprächen mit Mitgliedern und dem Ersten Vorsitzenden Klaus Jürgen Emrich bin ich schließlich bei MG gelandet", erinnert sich Reiss an den Beginn der bewegten Historie zwischen dem kleinen Flitzer und ihm. Die Witwe eines verstorbenen Keksfabrikanten aus dem hessischen Marburg wollte, so Reiss, das Vermächtnis ihres Mannes, das mehrere Garagen füllte, in pfleglichen Händen wissen. "Zwei Jahre ist das jetzt her und noch heute herrscht reger Kontakt zwischen uns. Sie freut sich über Preise und Auszeichnungen, die das Auto gewinnt", schildert der Professor für Wirtschaftslehre an der Mainzer FH die einmalige Verbindung zwischen Mensch und Maschine, deren romantischem Reiz er auch erlegen ist. Schlüssel für einen BMW, einen Lancia und einen Jaguar aus dem Jahre 1992 zieren das heimische Schlüsselbrett, und beim Autokauf war auch seine Frau beteiligt: "Sie wollte ein Cabrio, ich auf jeden Fall ein neues Auto als Zweisitzer. Da traf sich die Entdeckung des MG wunderbar", lacht der Familienvater, dessen neunjähriger Sohn Maximilian bereits Feuer und Flamme für den schnittigen Roadster in typisch englischem "Racing Green" ist. "Papa, wenn ich 18 bin, kannst du die Kiste für dich vergessen", gibt der Papa die Worte des Filius wieder, der viel freie Zeit zum Gucken, Schrauben und Mitfahren nutzt.
Kein Wunder. In einem Top-Zustand liegt das aerodynamische Chassis auf vier mit Chrom besohlten Gummistiefeln. Ohne schwarzes Häubchen liegt das faszinierende Innere schlicht und gleichzeitig würdevoll dem geneigten Blick offen. Beiges Leder lädt Sitzfleisch zum Verweilen ein. Holzmanikürte Armaturen zum Staunen. "Alles Originalteile. Der Wagen wurde zwar in den 70ern einmal komplett zerlegt und originalgetreu wieder zusammengesetzt", versichert der passionierte Auto-Liebhaber, der auch Mitglied im "MG Owners Club" ist. "Jedes Jahr findet ein Clubtreffen im englischen Surrey statt, das ich 2009 nicht besuchen konnte, im nächsten Jahr aber nicht versäumen möchte", verspricht Reiss, der vor allem die Hilfe und Beratung im OCRM schätzt.
"Dieses Hobby ist nicht nur für reiche Leute. Auch im bereich bis 5000 oder 6000 Euro sind die Fahrzeuge erhältlich. Gerade jetzt konzentrieren wir uns im Club stark auf die fruchtbare Arbeit mit dem Nachwuchs und die Popularität von Oldtimern bei jungen Menschen", skizziert Reiss Schwerpunkte im Club-Leben. Nicht umsonst ist seine komplette Familie großer Fan der Ausfahrten und dem simplen, aber überwältigenden Genuss an Fahrspaß in Zeitmaschinen auf vier Rädern.
