Von Christian Hoffmann
SPORTFEST „Mission Olympic“ bringt Mannheim auf Touren / 75 000 Euro zu gewinnen
Gleißendes Flutlicht tauchte das Carl-Benz-Stadion in eine magische Atmosphäre. Doch sämtliche Ränge waren menschenleer, denn es fand kein Waldhof-Spiel statt. In der Mitte des Spielfelds saßen Leute an Tischen: Auf dem Grün forderten 28 Teilnehmer das Schach-Genie Rainer Buhmann im Simultanspiel heraus. Eine von zahlreichen Stationen im Mannheimer Stadtgebiet, an denen die Bürger am Wochenende beim Sportfestival „Mission Olympic“ ihre Vitalität demonstrierten. Mit etwas Glück streicht dafür die Stadt 75000 Euro für den Breitensport ein.
„Es läuft nicht so gut, er hat mir schon einen Turm weggenommen“, verriet Sonja Kay. Die 15-jährige Wormserin erlebte beim Simultan-Schach, dass Gegner Rainer Buhmann bundesweit zu den zehn besten Schach-Spielern gehört - eine Partie gegen mehrere Teilnehmer gleichzeitig erscheint für ihn mühelos. Bessere Chancen rechnete sich Simon Scherr am Nachbartisch aus. „Eventuell könnte ich sogar gewinnen“, zeigte sich der 17-Jährige optimistisch. Dennoch ist Simon bewusst, wie schnell ein Spiel kippen kann. „Das geht schneller, als man denkt, und schon ist man draußen.“ In den Nachtstunden traten die Teilnehmer im hell erleuchteten Carl-Benz-Stadion gegen den internationalen Schachgroßmeister Rainer Buhmann an. Bereits mit sechs Jahren verbrachte Buhmann einen Großteil seiner Freizeit mit einem kleinen Schach-Computer, heute spielt Buhmann für den SV 1930 Hockenheim in der Bundesliga. Nicht nur die grauen Zellen wurden im Carl-Benz-Stadion gefordert, die Besucher konnten außerdem am Treppenlauf teilnehmen: Die Herausforderung war, die Tribünentreppen des Stadions ringsherum hinauf- und hinabzujoggen. Über 1000 Stufen - ein gewaltiger Kraftakt, dem sich auch Daniela Degenkolb stellte. „Immer wenn es einen Marathon hier in der Gegend gibt, bin ich dabei“, strahlte die 44-Jährige, nachdem sie den Treppenlauf bewältigt hatte. Daniela Degenkolb gab sich jedoch nicht mit einer Runde zufrieden, sie lief die Stufenstrecke gleich zweimal innerhalb von 20 Minuten. Um sich fit zu halten, joggt sie regelmäßig am Neckarufer entlang, morgens fährt Degenkolb mit dem Fahrrad zur Arbeit. Momentan trainiert sie für den Frankfurter Commerzbank-Marathon im Oktober. „Da würde ich sehr gerne mal mitlaufen.“ Es herrschte beim Treppenlauf keine Rivalität, alle Besucher zeigten beste Laune. „Die pushen sich sogar gegenseitig“, freute sich Mitorganisator Patrick Straub.
Fünf Städte messen sich derzeit in dem Wettbewerb „Mission Olympic“, welche die sportlichste Stadt ist. Zu den Finalisten gehört, neben Cottbus, Nordhorn, Wetzlar und Zehdenick, auch Mannheim. Deshalb brachte die Quadratestadt ihre Einwohner an etlichen Mitmachstationen in Bewegung: So lud etwa der Radsportverein RRC Endspurt dazu ein, auf der Radrennbahn im Stadtteil Neckarstadt Kreise zu drehen. Veranstaltet wird das Sportfestival von Getränkehersteller Coca-Cola und dem Deutschen Olympischen Sportbund. In den kommenden Wochen finden noch dreitägige Mission-Olympic-Feste in Nordhorn, Wetzlar und Zehdenick statt - hinterher wird ausgerechnet, wer den Titel „Deutschlands aktivste Stadt“ und das Preisgeld von 75 000 Euro gewonnen hat.
