Sonntag, 12. Februar 2012 17:01 Uhr
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Wormser Zeitung

Rhein-Neckar 

19 Jahre alter Mann schlägt Polizisten fast tot

11.02.2009 - FRANKENTHAL

Von Christina Jost-Mallrich

Gewalttäter vor Frankenthaler Landgericht

/LIMBURGERHOF. Weil er einen Polizisten fast getötet hat, muss sich seit gestern ein 19-jähriger aus Mutterstadt vor der Jugendkammer des Frankenthaler Landgerichts verantworten. Beim Versuch, eine Schlägerei zwischen Jugendlichen auf dem Straßenfest in Limburgerhof zu beenden, wurde ein Polizist in Zivil erst zu Boden geschlagen und dann mehrmals ins Gesicht getreten und fast getötet. Dabei erlitt der 49-jährige Polizist eine schwere Mittelgesichtsfraktur mit Jochbein-, Oberkiefer- und Augenhöhlenbruch sowie einen Trümmerbruch des Nasenbeins. Die Wiederherstellung des Gesichts gelang nur durch mehrere Operationen, bei denen Plastiken, Schienen und Schrauben einsetzt wurden.

Aus Furcht vor Randale wurde vor Prozessbeginn der Flur gesperrt. Der Angeklagte wurde mit Fuß- und Handfesseln in den Gerichtssaal geführt und blieb während der ruhigen Verhandlung an den Füßen angekettet.

Alkoholkontrollen

Staatsanwalt Lutz Pittner klagte den jungen Libanesen wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte an. Nach seinen Ausführungen befanden sich zwei Zivilbeamte der Polizei mit einem Sozialpädagogen des Kreisjugendamts in der Nacht vom 5. auf den

6. September vergangenen Jahres auf dem Straßenfest in Limburgerhof, um dort Alkoholkontrollen bei Besuchern durchzuführen. Gegen 0.30 Uhr, bei dem Versuch eine ausgebrochene Schlägerei zu schlichten und die Personalien der Beteiligten aufzunehmen, wurde einer der Polizeibeamten durch mehrere Schläge auf den Kopf von einer unbekannten Person niedergeschlagen, so dass er bewusstlos auf dem Boden lag. Der Angeklagte habe dann mehrmals mit großer Wucht mit seinem Schuh auf den Kopf des am Boden liegenden Polizisten getreten.

"Ich bekam einen Blackout. Ich habe gar nicht gedacht und hab´ einfach getreten", sagte der Angeklagte kleinlaut zum Vorsitzenden Richter Michael Wolpert. Er gab zwar die Tritte zu, doch versuchte er die Tat wegen einer ausländerfeindlichen Provokation "von zwei schwarz gekleideten Männern" zu rechtfertigen. Zu seiner Vita gab der berufslose junge Mann an, seit 2007 zu Hause "rumgehangen" zu haben, die Droge "Spice" konsumiert und Alkohol getrunken zu haben, so auch in der Tatnacht.

Der Polizist sagte aus, er habe die beiden Gruppen bereits getrennt gehabt. Der Angeklagte sei durch Schreie und aggressives Verhalten aufgefallen. "Ich wollte für Ruhe sorgen und ihn festnehmen", so der Polizist.

Aufgeheizte Stimmung

Dann sei der Angeklagte weggerannt, zwei Unbekannte hätten sich ihm in den Weg gestellt und mit Gürtelschnallen auf seinen Kopf geschlagen. Er sei zu Boden gegangen, habe nicht mehr aufstehen können und sei dann direkt ins Gesicht getreten worden. Nachdem der Polizist von seinen Operationen und dem verschraubten Ober- und Unterkiefer berichtete, sagte der Angeklagte: "Ich will mich entschuldigen. Ich wollte das alles nicht. Mir tut es leid. Am liebsten wäre es mir, wenn es nicht passiert wäre."

Der zweite Polizist berichtete von dem Tumult, dass er mindestens drei Tritte ins Gesicht der am Boden liegenden Person gesehen habe - erst später habe er erkannt, dass es sein Kollege war, der da so schwer verletzt am Boden lag. Der Sozialpädagoge fürchtete sich vor der "aufgeheizten Stimmung" und ging erst gar nicht zu dem "Menschenknäuel." Ein weiterer Festbesucher, der aber zur Ergreifung des Täters beigetragen hatte, erzählte von "drei bis vier stampfenden, festen Tritten auf die offensichtlich wehrlose Person."

Über den Anfang der Streitigkeit berichtete ein weiterer Festbesucher. Der Angeklagte habe grundlos seinen Freund, einen Griechen, beleidigt und ihm eine Flasche auf den Kopf geschlagen. Dann hätten sich die Ereignisse überschlagen, er sei zu Boden gegangen und verprügelt worden, erzählte der 28-Jährige, der Platzwunden und abgebrochene Zähne davontrug. Auch der 30-jährige Grieche sprach von Schlägen. Beide bestätigten zwar, schwarze Oberteile getragen zu haben, aber selbst Migrationshintergrund zu haben und nicht der rechten Szene anzugehören.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.


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