Tigernachwuchs im Zoo Heidelberg / "Kim" ist erfahrene Tier-Mutter
woz. HEIDELBERG Noch schlafen sie die meiste Zeit, die Augen öffnen sich gerade und die ersten Laufversuche sehen noch sehr hilflos aus: Knapp drei Wochen sind sie alt, die jungen Tiger im Zoo Heidelberg, die nun den Tierfreunden offiziell "vorgestellt" wurden.
"Junge Tiger entwickeln sich im Gegensatz zum Beispiel zu jungen Menschenaffen relativ schnell. Mit einem Jahr sind sie kaum noch von den Eltern zu unterscheiden und müssen dann auch in einen anderen Zoo abgegeben werden", erklärt Biologin Sandra Reichler. "Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit und wir alle werden viel Freude an dem neusten Tigernachwuchs haben." In der Nacht zum 16. Juli sind die beiden gestreiften Wonneproppen zur Welt gekommen. Mutter Kim bevorzugte wieder nicht die eigens für sie eingerichtete, ungestörte Wurfbox, sondern gebar ihre Jungen in einer weichen, etwas versteckten Mulde im Innengehege. Glück für die Zoobesucher, denn so ist es einfacher einen Blick auf die noch sehr kleinen Tiger zu werfen. Dadurch dass Mutter Kim vollkommen gelassen und sicher mit ihrem Nachwuchs umgeht, kann das Raubtierhaus schon jetzt zeitweise geöffnet bleiben. "Bei unserer früheren Tigerin haben wir alles getan, um die ersten acht Wochen möglichst jede Störung zu vermeiden. Kim dagegen kümmert sich so souverän um ihren Nachwuchs, dass wir am normalen Tagesablauf kaum etwas ändern müssen. Sie säugt ihre Jungen völlig entspannt direkt vor den Augen der Besucher, es ist fantastisch", berichtet Raubtierpfleger Andreas Fackel. "Natürlich wollen wir ihr zwischendurch trotzdem etwas mehr Ruhe gönnen als normal und schließen das Haus, wenn zu viele Schulklassen oder große Besuchergruppen das Haus stürmen. Aber selbst dann kann man Mutter und Jungtiere über einen Monitor beobachten." Noch ist das Geschlecht der beiden Jungtiere nicht bekannt, erst im Alter von sechs Wochen werden sie erstmals untersucht und geimpft. "Je mehr Tiger in den Zoos bleiben, desto besser erfüllen sie ihre Aufgabe als Botschafter für ihre bedrohten Artgenossen im Freiland. Mindestens drei Tigerunterarten sind bereits durch den Menschen ausgerottet worden", so Fackel.
