Von Gerhard Bühler
Modellprojekt richtet sich an junge Cannabis-Konsumenten / Gefahr wird unterschätzt
MANNHEIM In Mannheim steigt die Zahl der Jugendlichen, die illegale Drogen wie Cannabis konsumieren. Nun startet ein Modellprojekt, das sich an 14- bis 21-Jährige richtet, die zum ersten Mal durch den Besitz von Cannabis polizeilich aufgefallen sind.
"Im Jahr 2005 gab es in Mannheim 261 erstmals polizeilich in Erscheinung getretene jugendliche Drogenkonsumenten, 192 Delikte bezogen sich dabei auf Cannabis", nannte Polizeidirektor Thomas Köber konkrete Zahlen bei der Vorstellung des neuen Modellprojekts. Während es für erwachsene Drogenabhängige in Mannheim bereits eine Vielzahl von Hilfsangeboten und ein erprobtes Versorgungssystem gebe, habe bisher ein spezielles Angebot zur Frühintervention bei Jugendlichen gefehlt, so Köber. "Diese Lücke der ,Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten´ wird nun durch das bundesweite Modellprojekt ,FreD´ geschlossen", zeigt er sich froh, "dass wir Cannabis abhängigen Jugendlichen endlich ein wirksames Angebot machen können". Die Umsetzung erfolgt in Mannheim als Gemeinschaftsprojekt von Polizei, dem städtischen Dezernat Jugend, Soziales und Gesundheit und dem Drogenverein Mannheim in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft und der Jugendgerichtshilfe. Hinter "FreD" verbirgt sich ein achtstündiges Kursangebot, an dem die auffällig gewordenen Jugendlichen teilnehmen können. Die Kurse mit maximal zehn Teilnehmern werden von erfahrenen Mitarbeitern des Mannheimer Drogenvereins durchgeführt. Bei Jugendlichen, die erstmals mit Drogen registriert wurden, wird nach einer Kursteilnahme das auf die Anzeige folgende Verfahren der Staatsanwaltschaft eingestellt. "Unser Schwerpunkt liegt auf der Hilfe, nicht auf Repression", verweist Gerhard Eckert, Geschäftsführer des Drogenvereins auch auf die Schweigepflicht der Mitarbeiter. Neben den persönlichen Motiven des Konsums und der Entstehung des Suchtverhaltens geht es in dem Kurs um die Aufklärung über Art, Wirkungsweise und Risiken gängiger Drogen. "Vor allem das heute hergestellte Marihuana ist eine Hammerdroge geworden, die mit dem Hasch der 68-er Generation nicht mehr vergleichbar ist", warnt Köber vor dem noch weit verbreiteten Unterschätzen von Cannabis. Während der Wirkstoffgehalt in den 70er Jahren bei Haschisch in der Regel bei nur einem Prozent lag, würden heute bei Marihuana bis zu 20 Prozent erreicht. Die Folgen längeren Konsums können von nachlassenden kognitiven Fähigkeiten, Gleichgültigkeit und Willensschwäche bis zu Psychosen reichen, sieht Köber ein Hauptproblem darin, dass sich viele Jugendliche über die Gefahren des Konsums nicht ausreichend im Klaren sind. Hier setzt das Modellprojekt "FreD" an, das auch in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis anläuft.
