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Rhein-Neckar 

Neuer „White Cube“ für die Kunst

13.12.2010 - HEIDELBERG

Von Christian Hoffmann

PREMIERE Eröffnung der Heidelberger Ausstellungshalle im Außenbezirk / Vernissage zu Fotoausstellung

Zeitgenössische Kunst hat es schwer, sich in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit durchzusetzen - ein altes Klagelied. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, eröffnete nun in der Heidelberger Güteramtsstraße eine „Kunst/Halle“, die ihre Premiere mit der Vernissage der Ausstellung „Insights“ mit Street-Art, Fotografie und Graffiti feierte. Die Schau geht noch bis zum Samstag, 18. Dezember.

Gegenwartskunst nistet sich mit Vorliebe in städtischen Randbezirken ein. So auch die neue Kunst/Halle in Heidelberg, die sich in einem frisch weiß gestrichenen Backsteinraum des Veranstaltungsorts Halle_02 befindet, ein „White Cube“ der besonderen Art.

Industrieromantik prägt die Umgebung. „Wir kokettieren ein bisschen mit dem Begriff Kunsthalle“, erklärte Initiator Hannes Seibold. Obwohl das Gebäude seit kurzem im Besitz der Stadt ist, lässt sich der neue Raum kaum mit den kommunalen Einrichtungen gleichen Namens vergleichen - darum auch der Schrägstrich zwischen den Wörtern Kunst und Halle, um sich bewusst abzugrenzen.

Fünf Künstler stellen aktuell in der neuen Halle aus, darunter Stefan Strumbel, der die Bewunderung von Karl Lagerfeld genießt. Bekannt ist der 31-Jährige für seine knallbunt lackierten Kuckucksuhren, die mit lodernden Flammen dekoriert sind, kleine E-Gitarren tragen oder die legendäre Rolling-Stones-Zunge herausstrecken. Der gebürtige Offenburger nimmt traditionelle Gegenstände der Schwarzwälder Heimatkultur und verfremdet sie. „What the fuck is Heimat?“ lautet sein frecher Spruch, der diesen Werkzyklus überschreibt.

Nicht nur junges Studentenvolk zog die Vernissage an, auch ältere Ehepaare wie Studienräte oder Hochschullehrer waren da. So wurde die Ausstellung zu einem Treffen der Generationen. Durch seine extravagante Erscheinung fiel der Künstler Sandro Kopp auf, der einen grellblauen zweiteiligen Anzug trug und einen üppigen Fidel-Castro-Rauschebart hat. Sandro Kopp zeigt in Heidelberg eine Reihe an Menschenporträts in Öl auf Leinwand. „Über die Internetsoftware Skype kommuniziere ich mit Bekannten, die ich dann porträtierte“, erklärte er. „Ist schon ziemlich metaphysisch: Wie lässt sich Webpräsenz als reale Präsenz übersetzen?“ Es sind Momentaufnahmen an Stimmungen, durch das digitale Auge betrachtete Gesichtszüge.

Sandro Kopp wurde 1978 in Heidelberg geboren, ist aber ein international nomadischer Künstler, der abwechselnd in New York, Paris und Neuseeland lebt. Seine Lebensgefährtin ist die bekannte britische Schauspielerin Tilda Swinton, die 2008 einen Oscar als beste Nebendarstellerin in dem Thriller „Michael Clayton“ gewann. Kennen gelernt haben sich die beiden auf einer Party bei den Dreharbeiten zu dem ersten Teil des Fantasy-Films „Die Chroniken von Narnia“.

Eine Entdeckung sind unbedingt die zwei großformatigen Arbeiten von Andreas von Chrzanowski: Ein blonder Junge hält einen Puppenkopf am Schopf. „Ich arbeite segmentär und klebe zum Beispiel Klebeband auf einen Untergrund, bevor ich darauf male, um eine haptische Grobschlächtigkeit zu bekommen“, erklärte der Frankfurter Künstler seinen Fotorealismus.

Andreas von Chrzanowski stammt aus der Graffiti-Szene. Inspiration erhält er aus Lewis Carrolls Kinderbüchern über Alice im Wunderland.

Die eigentümliche Industrieromantik des Heidelberger Außenbezirks lädt zum Treffen der Generationen: Bunt gemischt ist das Publikum zur Eröffnung der neuen „Kunst/Halle“ in der Güteramtsstraße. Die Ausstellung läuft noch bis zum Samstag.	Foto:  AfP Asel

Die eigentümliche Industrieromantik des Heidelberger Außenbezirks lädt zum Treffen der Generationen: Bunt gemischt ist das Publikum zur Eröffnung der neuen „Kunst/Halle“ in der Güteramtsstraße. Die Ausstellung läuft noch bis zum Samstag. Foto: AfP AselVergrößern

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