Mehr als ein Wettbewerb
07.08.2010 - HOCKENHEIM
Von Heike Warlich
HOCKENHEIMRING Delta Racing Team der Hochschule Mannheim erstmals bei „Formula Student Germany“dabei
Seit 4. August schnuppert das Delta Racing Team der Hochschule Mannheim Formel-1-Luft. Ihren Platz in der Boxengasse auf dem Hockenheimring teilen sich die Mannheimer Studenten mit Teams aus Deutschland, Russland, Ägypten und dem Iran. Insgesamt sind 78 Mannschaften aus 21 Nationen am Start des vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) ausgerichteten Wettbewerbs.
Wurden die Rennboliden in den vergangenen Tagen von der Expertenjury mit Blick auf Konstruktion und Sicherheit überprüft sowie der Finanz- und Businessplan unter die Lupe genommen, steht jetzt am Wochenende die Rennperformance auf dem Programm. „Noch vor Ort haben wir einiges verbessert, jetzt sind unsere sechs Fahrer gefordert“, erzählt Pressesprecher Marcel Erné. Diese seien teamintern in Kartrennen ermittelt worden.
Wenig Vorlauf für die 60 Studierenden
Das Auto sicher ins Ziel zu bringen, sei oberste Priorität, sagt Erné. Gelingt das, dann haben die Mannheimer, die gemeinsam mit dem mosTECracing Team der Dualen Hochschule in Mosbach die Farben der Metropolregion vertreten, eine realistische Chance auf den Newcomer-Award. „Wir wollen bei unserem ersten Wettbewerb vor allem Erfahrungen sammeln“, so Erné. Das Delta Racing Team wurde erst im August 2008 gegründet.
Die knapp 60 Studierenden aus allen Semestern und Fakultäten hatten im Vergleich zu anderen Mitbewerbern, die sich schon seit Jahren am internationalen Konstruktionswettbewerb beteiligen, wenig Vorlauf. Umso schwieriger, weil der „Formula Student“ ein ganzheitliches Konzept zugrunde liegt. Es geht nicht allein darum, einen zuverlässigen Rennboliden zu entwickeln und zu bauen. Die Jury aus Experten der Motorsport-, Automobil- und Zuliefererindustrie muss vom Gesamtpaket überzeugt werden. Dazu gehören neben der Konstruktion und Renntauglichkeit auch Finanzplanung und Verkaufsargumente.
Und so gibt es neben den Projektleitern des Delta Racing Teams, Karsten von Laufenberg und Jannic Herrmann, die beiden Ressorts „Technik“ und „Wirtschaft“, die federführend von Ken Holdermann und Mikis Gutsche beziehungsweise von Jannic Herrmann und Mario Speckert betreut werden. In sechs weiteren Abteilungen widmen sich die Studenten den Detailaufgaben. Joachim Krieger und Daniel Ramminger beispielsweise beschäftigen sich mit allen Fragen rund um die Konstruktion des Fahrgestells. Matthias Veit, Matthias Werner, Stefan Körner, Mikis Gutsche und Oliver Bauer entwickelten und fertigten das Fahrwerk. Die Marketingabteilung, zu der auch Marcel Erné gehört, kümmert sich um Sponsoren, Öffentlichkeitsarbeit und den Internetauftritt sowie die Werbung. „Wir wollen unser Projekt optimal in der Öffentlichkeit präsentieren, um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern“, betont Erné. Mit Ende der „Formula Student Germany 2010“ am Sonntag soll daher nicht etwa auch das gemeinsame Hochschulprojekt Geschichte sein.
Ingenieurmangel nachhaltig begegnen
Im Gegenteil: Mit Hilfe weiterer Sponsoren und Unterstützer will das Team weiter Gas geben. Denn in Hockenheim möglichst gut abzuschneiden ist nur ein Aspekt. Der andere ist, für die im Studium erworbenen Kenntnisse fächerübergreifend praktische Anwendung zu finden.
Dass aktuell 14 Teams auf der Warteliste stehen, zeigt, wie gefragt der Wettbewerb bei den Studenten ist. Der VDI betrachtet das Ganze als aktive Nachwuchsförderung, mit der er langfristig dem Ingenieurmangel begegnen will. Gleichzeitig soll die Mischung aus geforderter Fach- und Sozialkompetenz das Rüstzeug für den Einstieg ins Berufsleben optimieren.
