Planungen transparent machen
23.07.2010 - MANNHEIM
Von Heike Warlich
KUNSTHALLE Diskussion um Zukunft der Mannheimer Einrichtung / Wie geht es mit Neubau weiter?
Über die Kunsthalle Mannheim wird derzeit viel diskutiert. Die Bedeutung der 1907 gebauten Kultureinrichtung regional und überregional, ihre Entwicklungsmöglichkeiten und inhaltliche Ausrichtung, die gerade laufende Generalsanierung des Jugendstilbaus sowie die Zukunft des 1983 eröffneten Erweiterungsbaus von der Sanierung bis hin zum kompletten Abriss und anschließenden Neubau beschäftigen Vertreter der lokalen Politik, die Bildungs- und Kulturszene sowie die Bevölkerung. Kunsthallen-Direktorin Dr. Ulrike Lorenz sucht genau diese gesellschaftliche Diskussion.
Das öffentliche Nachdenken über die Zukunft der Kunsthalle soll Hintergründe und Planungen transparent machen. Dazu wurde im Herbst im „Projektraum Kunsthalle“ intensiv bei mehreren Veranstaltungen diskutiert. Auszüge aus diesen Diskussionsforen hat Ulrike Lorenz jetzt in der Publikation „Kunsthalle Mannheim - Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft“ veröffentlicht (die Broschüre ist an der Museumskasse für den Selbstkostenbetrag von zehn Euro erhältlich). Doch die Broschüre ist viel mehr als das. Lorenz ordnet die Zukunft des Hauses ein in dessen Tradition. „Die Vergangenheit ist das Fundament für die Arbeit jetzt“, betonte die Direktorin bei der Buchpräsentation, dass es ihr nicht um „einen Neubau“, sondern vielmehr um „ein neues Museum“ gehe. „Eine schöne Hülle ist nichts, wenn inhaltlich nichts geboten wird“, bat Kulturbürgermeister Michael Grötsch die Museumsdirektorin, ihre Konzeption vorzustellen.
Die Pflege und Weiterentwicklung der bestehenden Sammlung bei gleichzeitiger Stärkung des für Mannheim charakteristischen Skulpturenbestands gehören für Lorenz ebenso dazu wie die Realisierung wissenschaftlich interessanter Kunstprojekte und neuer Wege in Kommunikation und Kunstvermittlung. Ebenso wichtig: die Rekonstruktion der Sammlung, die im Zuge des Nationalsozialismus bei zwei „Säuberungsaktionen“ 107 Gemälde, 14 Plastiken, 87 Aquarelle, 119 Zeichnungen sowie fast 500 Grafiken und Mappenwerke verlor.
„Die Substanz, die die Kunsthalle mit ihrer hochrangigen Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, mit Schlüsselwerken der Kunstgeschichte, aber auch mit originären Ausstellungsthemen bietet, ist herausragend“, will Lorenz den Stellenwert der Kunsthalle für Mannheim und die Region daher künftig ebenso verstärkt herausstellen wie ihr deutschlandweites und teilweise auch europäisches Renommee. Mit der für 2012 geplanten Wiedereröffnung des Jugendstilbaus soll ein Signal gesetzt werden. Was bislang völlig offen ist, ist die Frage, wie es mit dem Neubau weitergeht. Schon Lorenz’ Vorgänger bemängelten die Klima- und Sicherheitstechnik. Als weitere Problembereiche nennt die Direktorin nicht trocken zu kriegende Depots, in denen große Teile der Sammlung lagern, sowie die Museumsarchitektur als solche.
Das Sanieren im Bestand erscheint ihr unter Kosten-Nutzen-Aspekten als nicht realistisch. Eine Erweiterung würde zwar Raumprobleme lösen, nicht aber ein architektonisches Signal, eingebunden in die städtebauliche Konzeption des Friedrichsplatzes, setzen können, sprach Lorenz die Bewerbung Mannheims als „Kulturhauptstadt 2020“ an. Für welches Kunstmuseum Mannheim sich auch entscheiden wird: Partner und Sponsoren wird man in jedem Fall brauchen.
