Zerstörtes Roma-Haus renoviert
05.06.2010 - LUDWIGSHAFEN/WORMS
Von Ulrike Schäfer
BAUORDEN Hilfe für Familie in ungarischem Dorf / Bundestagsabgeordneter Hagemann informiert sich vor Ort
Seit seiner Gründung nach dem Krieg leistet der Bauorden nicht nur praktische Aufbauarbeit, sondern baut auch Brücken der Verständigung und setzt immer wieder Zeichen. Wie in Tatarszentgyörgy, einem kleinen Dorf, 40 Kilometer von Budapest entfernt, wo vor zwei Jahren ein junger Mann und sein fünfjähriger Sohn bei einer Serie von Brandanschlägen erschossen wurden. Sie waren Roma, und die Täter gehören, soweit bekannt, dem rechtsradikalen Spektrum an, das in Ungarn in den letzten Jahren erschreckend zugenommen hat. Mit einem 14-tägigen Baucamp versuchte der Bauorden nun, der Roma-Familie zu helfen und den Blick auf die Situation dieser seit eh und je diskriminierten und verfolgten Minderheit zu lenken.
Treffen mit Ombudsmann für Minderheiten-Rechte
Bundestagsabgeordneter Klaus Hagemann (SPD), der den Geschäftsführer des deutschen Bauordens mit Sitz in Ludwigshafen, Peter Runck, bereits zu Einsatzstellen in Polen, Litauen und Bulgarien begleitet hat, reiste vorige Woche nun mit einer kleinen Delegation nach Ungarn, um sich selbst ein Bild zu machen. Dabei traf er mit dem Ombudsmann für die Rechte nationaler und ethnischer Minderheiten in Ungarn, Dr. Erno Kállai, zusammen und nahm auch im Vorfeld des Freundschaftsspiels Deutschland-Ungarn an einer Veranstaltung mit der deutschen Botschafterin Dorothee Janetzke-Wenzel in Budapest teil, die vom Deutschen Fußballbund gefördert wurde. Denn Sport, das betonte Herbert Heus, Geschäftsführer des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, bei der Pressekonferenz, sei ein wichtiges Medium, um Menschen in Kontakt zu bringen und Vorurteile abzubauen.
Wie man das machen kann, stellten verschiedene Gruppen dann bei einem Marktplatz der Vielfalt in verschiedenen phantasievollen Projekten dar. Auch die Baugesellen aus Tatarszentgyörgy waren dabei mit der bulgarischen Journalistin Radmila Mladenova, die die Fortschritte des Baucamps auf vielen eindrucksvollen Fotos festgehalten hatte. Für ihre Hilfe wurden die jungen Leute von Romani Rose, dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, und Agnes Daroczi von der Roma-Organisation Phralipe, ausgezeichnet und das Wirken des Bauordens lobend erwähnt.
Als Hagemann und seine Mitreisenden selbst nach Tatarszentgyörgy fuhren, standen sie einigermaßen fassungslos vor dem zerstörten Roma-Haus. Die Familie ist aus der Ruine ins Nachbarhaus übersiedelt, wo nun elf Personen auf engstem Raum zusammenleben. Dieses Gebäude wurde von den Baugesellen zu großen Teilen instand gesetzt und bewohnbar gemacht. Als besonderen Erfolg wertete Herbert Heus, dass die Roma-Familie gegen Ende der Maßnahme ein Gespräch mit der Ortsbürgermeisterin geführt hatte, was bis dahin nicht möglich gewesen war. Heus griff mit Hagemann schließlich selbst zum Spaten, um vor dem renovierten Roma-Haus den traditionellen Bauorden-Baum zu pflanzen.
Die nächste Fahrt führte die Delegation nach Zsámbék (Schambeck), wo Pater Márton und Schwester Agnes vom Prämonstratenser- beziehungsweise Norbertinerorden eine beispiellose Jugendarbeit und Sozialfürsorge betreiben. Auch hier hat der Bauorden schon mehrfach Hand angelegt, um den Ärmsten der Armen - zu 40 Prozent Roma-Familien - zu helfen. Wie in Tatarszentgyörgy sind hier weitere Camps geplant.
Ein letzter Besuch galt der Obdachlosenarbeit der Malteser in Budapest selbst. Hagemann, der auch Vorsitzender des Unterausschusses zu Fragen der Europäischen Union ist, gab manche Anregung, kehrte aber auch mit neuen Denkanstößen und Aufgaben in seinen Wahlkreis und nach Berlin zurück.
