Schnelle Sohle im Blütenmeer
19.04.2010 - BOCKENHEIM
Von Rolf Sperber
MARATHON 2500 Läufer absolvieren Strecke an Weinstraße / Läufer der LG Wonnegau ganz vorn mit dabei
BOCKENHEIM Azurblauer Himmel, Kirschbäume in strahlend-weißem Blütenschmuck, Mandelbäume mit rosaroten Blüten, leuchtend-gelbe Forsythien - die Szenerie des 7. Marathons Deutsche Weinstraße zwischen Bockenheim und Bad Dürkheim hätte frühlingshafter nicht sein können. Die knapp 2500 Läufer - 875 beim Marathon und 1617 beim Halbmarathon - hatten dafür allerdings kaum einen Blick: Sie legten eine "schnelle Sohle" hin und wurden von Tausenden von Zuschauern begeistert angefeuert.
Es wurde ein "Tag der Kenianer": Schnellster Marathonläufer war Fedric Cherono. Er benötigte 2:25,26 Stunden und verfehlte den Streckenrekord seines Landsmann Johana Mutysia von 1998 nur um 44 Sekunden. Er hatte einen Vorsprung von fast neun Minuten vor dem Russen Juri Vinogrado (2:34,01). Der Pole Jaroslaw Janicki (2:34,19) wurde Dritter vor dem schnellsten Deutschen Kay-Uwe Müller (Heilbronn/2:39,02), dem schnellsten Pfälzer Roland Stulz (LC Donnersberg) in 2:41,17 und dem Kenianer Timoty Kuplatat (2:41,56).
Schnelle Kenianer
Im Halbmarathon war der Kenianer Benjamin Kemboi in 1:11,17 Stunden Erster vor Luca Bongiovanni (Schriesheim) in 1:12,08, Karsten Bresser (Heltersberg) in 1:12,09, Hans-Jörg Dörr (Hatzenbühl/1:16,13), Raphael Bender (Bad Dürkheim) in 1:17,09 und Hans-Willi Reiberger (LG Wonnegau) in 1:19,54.
Die sechstschnellste Halbmarathon-Zeit erzielte Veronika Cheboi (Kenia), sie benötigte 1:18,17 Stunden und verbesserte damit den vier Jahre alten Streckenrekord von Julia Ruban (Ukraine) gleich um 2:27 Minuten. Den Frauen-Marathon gewann Salome Diwott (Kenia) in 2:51,38 Stunden.
Damit wurde die Erfolgsgeschichte des Weinstraßen-Marathons fortgeschrieben, der 1995 als Idee entstand und 1998 erstmals über die Strecke ging. 1995 saßen nach dem Weinstraßentag Ministerpräsident Kurt Beck, der damalige Dürkheimer Landrat Georg Kalbfuß, der heutige VG-Chef Eugen Ackermann und der Landtagsabgeordnete Thomas Wansch zusammen und beratschlagten, wie der Nordteil der Weinstraße zu beleben sei. Am Ende stand die Idee, auf der hügeligen Strecke mit nahezu 500 Höhenmetern einen Marathon mit Bad Dürkheim als Wendepunkt zu organisieren.
Werbung für Weinstraße
"Wir wussten um die große Herausforderung an die Läufer wegen der anspruchsvollen Strecke - das war zugleich aber auch die beste Werbung," erinnert sich Wansch. Für Ackermann ist der Marathon "die richtige Entscheidung für die Region, denn er ist Wirtschaftsförderung im besten Sinne." Kamen 1998 zum Auftakt noch 500 Läufer, waren es gestern bei der siebten Auflage fünfmal so viel. Ein Heer von 700 Helfern von Feuerwehr und Polizei, Vereinen und Verbänden sorgte für einen reibungslosen Ablauf und die großräumige Umfahrung der Strecke.
Auch das "Drumherum" stimmte: Etwa 3000 Besucher hörten am Vorabend die Kultband "Anonyme Giddarischde" im Festzelt, 243 Schüler und Bambinis nahmen an Läufen über eine Meile oder einen Kilometer teil.
Nur einer saß traurig irgendwo auf einem Flughafen: Der Pfälzer Krimiautor Markus Guthmann war für eine Lesung aus seinem Krimi "Mörderischer Marathon" vorgesehen und wollte auch starten - doch der Vulkanausbruch in Island hinderte ihn am Heimflug.
