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Rhein-Neckar 

"Wir bauen wie vor 1000 Jahren"

19.03.2010 - BAD DÜRKHEIM

Von Hannah Weiner

REKONSTRUKTION Ingelheimer Zimmerei errichtet abgebrannte Saline in Bad Dürkheim neu

/INGELHEIM. Einen außergewöhnlichen Auftrag hat die Zimmerei Harth aus Ingelheim bekommen. Sie baut die 2007 abgebrannte Saline in Bad Dürkheim wieder auf. Mit 333 Metern Länge und einer Höhe von etwa 18 Metern ist es das längste Bauwerk der Welt in dieser Form.

Der Zimmermannmeister Felix Harth ist beeindruckt von den Dimensionen des Bad Dürkheimer Wahrzeichens: "Das lässt einen atemlos werden, wenn man davor steht." Er und seine Mitarbeiter haben sich also einiges vorgenommen. "Das ist der momentan größte Holzbauauftrag Europas", erklärt Harth. "Außerdem ist es kein Gemeinschaftsauftrag, sondern wir arbeiten alleine daran."

Das bedeutet für die Zimmerei unter anderem: Ein Montagekonzept zu erarbeiten, den Holzeinkauf zu koordinieren, das Zuschneiden des Holzes mithilfe eines Sägewerkes.

Für Felix Harth und die zehn Mitarbeiter, die vor Ort an dem Projekt mitarbeiten, ist es das größte und anspruchsvollste Vorhaben, das jemals von ihnen angegangen wurde. "Wir verbrauchen in sechs Monaten soviel Holz wie normal in drei Jahren. In den Dimensionen ist das auch schwierig zu besorgen." Alleine fast 500 Kubikmeter Lärchenholz müssen herbeigeschafft werden. Inzwischen sei man aber fast fertig und habe sogar einige Lärchen aus Bad Dürkheim verwenden können, betont Harth. Schwierigkeiten hat allerdings der lange Winter mit sich gebracht. Durch die schlechten Wetterbedingungen mussten die Arbeiter der Zimmerei pausieren. Trotzdem ist Harth zuversichtlich, dass die Holzkonstruktion Anfang Juli fertiggestellt werden kann: "Der 1. Juli ist die Deadline für unsere Arbeit. Bis zum Bad Dürkheimer Wurstmarkt soll die Saline nämlich wieder laufen." Außergewöhnlich sei neben dem Umfang des Projektes auch, dass man sich die alte Handwerkskunst wieder aneignen müsse. "Wir müssen so bauen wie vor 1000 Jahren und komplett ,in Holz´ denken. Das macht es auch noch spannend."

Um eine brennende Saline in Zukunft zu vermeiden, haben die Zimmereifachleute extra ein Brandschutzkonzept entwickelt. Im Abstand von 20 Metern wird eine Brandschutzwand eingebaut, so dass es nicht mehr zu einem Feuer wie mit den Ausmaßen von 2007 kommen kann.

Harth sieht den Wiederaufbau der Saline als eine zweite Meisterprüfung: "Wenn wir das montiert haben, können wir alles." Zweimal in der Woche fährt er nach Bad Dürkheim, um nach dem Rechten zu sehen. Wenn durch schlechte Wetterbedingungen, wie Stürmen, Gefahr für das Bauwerk entsteht, verbringt er auch schon mal eine Nacht vor der Webcam, die ihm rund um die Uhr die Sicht auf die Saline ermöglicht. Für einige schlaflose Nächte hat das Projekt schon gesorgt.

"Das Geheimnis unseres Erfolgs ist das Montagekonzept", erzählt Felix Harth. Man baue zum Beispiel ohne Gerüst, was die Arbeit erschwere und außergewöhnlich mache. Die Bauelemente werden auf dem Boden gefertigt und mit einem Kran hochgezogen.

All das ist ohne engagierte Mitarbeiter nicht möglich. "Wir haben gute Leute, auf die wir uns verlassen können. Das ist ja auch für sie eine einmalige Herausforderung."

Aus der Sicht des Zimmermannmeisters hat die Stadt Bad Dürkheim seine Firma ausgewählt, weil sie das günstigste Angebot gemacht habe. Dabei liege die Betonung auf günstig, nicht auf billig, verdeutlicht er.

Auf den Plätzen zwei und drei seien bei dem Wettbewerb ausländische Firmen gewesen. Gerade deswegen ist Harth ganz besonders glücklich: "Es ist toll, dass die Arbeit in Rheinland-Pfalz geblieben ist. Man kann stolz sein, dass wir so etwas füreinander bauen können."

Die Zimmerei Felix Harth baut die Saline in Bad Dürkheim wieder auf. Anfang Juli soll die Holzkonstruktion fertig sein.privatVergrößern

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