Wie der Gecko an der Decke läuft
19.03.2010 - MANNHEIM
Von Harald Berlinghof
NANO-TECHNOLOGIE Ausstellung im Mannheimer Technoseum verrät Geheimnisse der Wissenschaft
Einzelne Atome sehen; sehen, warum an der Lotuspflanze Wasser abperlt, ohne Spuren zu hinterlassen; sehen, warum der Gecko mit seinen Füßen an der Decke spazieren gehen kann, ohne herunterzufallen - ohne technische Hilfsmittel wäre nichts davon möglich. Unser menschliches Auge ist gerade einmal in der Lage, Strukturen bis zu 0,2 Millimetern Größe zu erkennen. Der Nano-Bereich, dem sich die neue Ausstellung im Mannheimer Technoseum widmet, ist viel, viel kleiner, bewegt sich in Größenordnungen von Millionstel Millimetern und reicht bis an die "Größe" einzelner Atome heran. Nur mit Raster-Elektronen-Mikroskopen lassen sich Bilder dieser kleinsten Welt für unser Auge sichtbar machen. Gelingt dies aber, dann gibt es faszinierende Welten zu entdecken, die uns normalerweise verborgen bleiben.
Man hat sich im Technoseum mit der Ausstellung "Nano! Nutzen und Visionen einer neuen Technologie" in die Welt des Unsichtbaren begeben. "Unsehbares sichtbar machen", so lautete letztlich die Aufgabe. "Eigentlich ein Albtraum für jeden Ausstellungsmacher", meint dazu der Projektleiter der neuen Ausstellung, Dr. Reiner Bappert. Doch mit der Nanowelt hat man im Mannheimer Technoseum bereits Erfahrung. Schon vor drei Jahren widmete man sich - damals noch unter dem Namen Landesmuseum für Technik und Arbeit - dem "Blick ins Unsichtbare". In einer ersten Station der jetzigen Ausstellung werden Effekte wie der Lotus-Effekt oder die Haftung von Geckofüßen anschaulich vorgeführt. Anschließend geht es in einem virtuellen Fahrstuhl in die Bereiche der Millionstel Millimeter.
Vorbei an roten Blutkörperchen geht die Fahrt zu Giganten der Nanowelt, nämlich mikrometergroßen Bakterien, um schließlich im Reich der einzelnen Atome anzukommen. Die Besucher verlassen den Fahrstuhl und gelangen in ein scheinbares Labyrinth, angefüllt mit sechseckigen Wabenstrukturen. Immer tiefer gelangt der Besucher schließlich hinein in die Welt der Nanostrukturen, lernt etwas über die Van-der-Vaals-Kräfte, über die Funktionsweise eines Rastertunnel-Mikroskops und über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Nanotechnologie in der Zukunft. Am Ende widmet sich die Präsentation neben den Chancen auch den Risiken der Technologie. Ebenfalls werden Anwendungsbeispiele im gegenwärtigen Alltag angesprochen und von virtuellen Experten in Computern diskutiert.
Die Ausstellung ist erstmals auf der neuen, etwa 900 Quadratmeter großen Sonder-Ausstellungsfläche aufgebaut, die dem Technoseum nach dem drei Jahre dauernden Umbau neu zur Verfügung steht. Rund vier Millionen Euro habe die neue Ausstellungsfläche gekostet, wovon alleine der Museumsverein mit einem Spendenaufruf 1,8 Millionen Euro aufgebracht habe, wie Museumsdirektor Professor Hartwig Lüdtke gestern ausführte.
Die Ausstellung ist vom 18. März bis zum 3. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen.
