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Rhein-Neckar 

Wo König und Herzog spazierten

03.02.2010 - TRIPPSTADT

Von Rolf Sperber

AUSFLUGSZIEL Karlstal ist eines der schönsten Täler im Pfälzerwald/Pavillons und Brücken in Landschaftsgarten

TRIPPSTADT. Wildromantisch und walddunkel, gelegentlich bizarr oder malerisch, dann wieder idyllisch und verträumt - für das Karlstal südlich von Trippstadt im Pfälzerwald reichen einfache beschreibende Vokabeln nicht aus. "Es ist das schönste Tal in der Pfalz und kennt in seiner einmaligen Schönheit im Pfälzerwald keine Konkurrenz," weiß Bernd Wallner, Geschäftsführer des Pfälzerwald-Vereins in Neustadt, aus vielen Gesprächen mit Wanderern.

Die Schönheit des Karlstals blieb schon vor über 150 Jahren den Herrschaftshäusern nicht verborgen - eine eiserne Erinnerungstafel zeugt noch heute von hohem Besuch: Am 9. August 1862 spazierten der bayerische König Ludwig I., Großherzog Ludwig III. von Hessen und die Erzherzogin Hildegard von Österreich gemeinsam durch das Tal und bewunderten die tiefe Schlucht, die damals schon längst in einen "englischen Landschaftsgarten" umgewandelt worden war.

Den hatten um 1795 die örtlichen Herrschaften der Familie von Hacke vom nahen Schloss Trippstadt in Auftrag gegeben und dafür keinen Geringeren als den damals schon fast 20 Jahre lang allerorten wirkenden Gartengestalter Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) gewinnen können. Sckell hat in ganz Süddeutschland seine landschaftsgärtnerischen und gartengestalterischen Spuren hinterlassen - am wenigsten konnte er in die Landschaft des tiefeingeschnittenen Karlstals eingreifen. Doch ohne Sckell wäre das Tal womöglich total verwildert und verkommen. Der damals 45-jährige Gartenarchitekt brachte im Karlstal seine reichen Erfahrungen seiner Arbeiten im Schlosspark Schwetzingen (1776) und im Schlosspark Bad Dürkheim (1783), in den Parkanlagen in Birkenau, Wörrstadt und Heidelberg-Rohrbach (1787), im Schloss Worms-Herrnsheim (1788), im Schlossgarten Heidelberg und im Sturmfederschen Schloss in Dirmstein (1790) sowie im Schlosspark Weinheim (1795) ein.

Sckell ließ Bäume fällen und Wege anlegen, baute Pavillons und überquerte die durchs Karlstal plätschernde Moosalbe mit mehreren kleinen Brücken, plante langgezogene Treppen als Aufgänge auf die Höhenwege und ließ Ruhebänke aufstellen. Im Prinzip hat sich auch heute daran nichts geändert - die gestalterischen Einrichtungen sind nach wie vor vorhanden. Und so kann man durch das etwas mehr als einen Kilometer lange Karlstal gemütlich spazieren, ohne sich sonderlich anzustrengen.

Was das Tal so einmalig macht: Riesige Sandsteinfelsen sind im Laufe der Jahrtausende in das enge Tal gestürzt und blieben dort liegen. Die Moosalbe, die die Schlucht in den Sandstein grub, umspült heute die bizarren, moosigen Felsgebilde, um die man herumwandern kann und dabei immer wieder neue Blickwinkel in das enge Tal hat. Da und dort zeugen Tafeln oder Inschriften im Fels davon, dass sich einst schon andere begeisterte Besucher verewigen wollten.

Der ehemalige Schriftsetzer Harald Roth ist einer der "Beschützer" des Karlstals: Der in Trippstadt wohnende Rentner ist Bezirkswegewart des Pfälzerwald-Vereins für einen Riesenbereich in der Westpfalz - aber sein Herz schlägt für das enge, romantische Tal zu Füssen seiner Heimatgemeinde. Als einige "fanatische Naturschützer" - so Roth - den Wanderweg durchs Karlstal schließen wollten, ging er auf die Barrikaden: "Das ist die Wanderfernverbindung mit dem roten Kreuz als Markierung von der Burg Lichtenberg bei Kusel bis Aschaffenburg - so einen Weg durch ein so tolles Tal kann man doch nicht einfach zumachen..." Der Plan scheint vom Tisch - doch Roth kommt so richtig in Fahrt: "Im Karlstal muss ständig etwas erneuert oder verbessert werden - zum Beispiel der Zugang zu den alten Gedenktafeln. Da streiten sich Gemeinde und Forstamt über die Zuständigkeiten und damit die Kosten..."

Ins Karlstal startet man am besten von der "Klug´schen Mühle" unterhalb der Burgruine Wilenstein aus - dorthin zurückgekehrt, kann man sich in dem gepflegten Gasthaus in einer ehemaligen Mühle stärken oder den Gänsen und Enten auf dem ehemaligen Mühlenteich zuschauen. Und innerlich dem genialen Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell zustimmen, der seine Eindrücke vom Karlstal so formulierte: "Eines der schönsten Täler, die ich in dieser Art gesehen habe, liegt in der Herrschaft Trippstadt, damals das Karlstal genannt..."

Und wie kommt man nach Trippstadt? Aus der Rheinebene ist der Weg ohne Zweifel etwas weit - aber schon die Anfahrt lohnt sich: Über Neustadt und Frankeneck ins gewundene Elmsteiner Tal, von dort durch endlose Wälder hinauf nach Johanniskreuz und auf einer schmalen Waldstraße weiter nach Trippstadt. Das kleine Dorf kann man auch bequemer über die Autobahn nach Kaiserslautern und von dort Richtung Süden erreichen.

Riesige Sandsteinfelsen sind im Laufe der Jahrtausende in das enge Tal gestürzt und blieben dort liegen. Die Moosalbe, die die Schlucht in den Sandstein grub, umspült heute die bizarren, moosigen Felsgebilde.Fotos: privatVergrößern

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